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Rezension: Philosophie -Die Ethik: Die Bibliothek der verbotenen Bücher (Gebundene Ausgabe)

Der niederländische Philosoph Baruch Spinoza (1632-1677) stammte aus einer marranisch - jüdischen Familie. 1656 wurde er wegen religiöser Dogmenkritik mit dem Bannfluch der jüdischen Gemeinde belegt.

Insbesondere von R. Descartes und T. Hobbes beeinflusst, entwickelte er seine etwa 1662 entstandene Ethik (erschienen 1677) eine pantheistische Metaphysik und Anthropologie nach geometrischem Beweisverfahren.

In der Einleitung erfährt man viel über das Leben aber auch die Psyche des Philosophen. Er galt als unbequem und verdarb es sich nahezu mit allen.  Hochbegabt überragte er die Neureichen Amsterdams und die Erfolgreichen Hollands an Klugheit und Verstandesschärfe um Vieles. Das verschaffte im Neider. Man verzieh ihm seine Klugheit nicht.

Baruch war aber ohne Hochmut "auf der Suche nach Wahrheit, nicht auf der Jagd nach Glück, nach Ruhm, Ehre, Macht, Vermögen oder Vergnügen. Einer, der sich beschied mit dem Schicksal, das ihm Geld und gute Gesundheit versagt hatte "(S.23). Goethe und Einstein schätzten Spinoza sehr und man versteht auch weshalb, wenn man sich mit der Ethik dieses großen Philosophen näher befasst.

Spinozas Ethik beginnt mit der Metaphysik, geht dann zur Psychologie der Affekte und des Willens über und endet mit einer Ethik, welche auf der vorangegangenen Metaphysik und Ethik aufgebaut ist. Das Buch ist in einer geometrischen Ordnung abgefasst, in der Art eines mathematischen Werkes, mit vorangestellten Axiomen, Behauptungen, Lehrsätzen, Beweisen, Folgerungen etc. In Spinozas Metaphysik ist der Begriff "Substanz" essentiell. Er versteht darunter das das Eine und Unendliche, welches unter und hinter allen Dingen steht, das alles Sein in sich vereinigt und begreift. Die Substanz ist unendlich. (Lehrsatz 8, Teil 1) Sie kann nicht von einer anderen hervorgebracht werden (Lehrsatz 6, Teil 1). Die absolut unendliche Substanz ist unteilbar (Lehrsatz 13, Teil 1) Außer Gott kann es eine Substanz weder geben, noch kann eine solche begriffen werden (Lehrsatz 14, Teil 1 ) Diese Substanz ist mit unendlich vielen Attributen ausgezeichnet, von denen nur Ausdehnung und Denken erkennbar sind.

Die Einzelseelen und die einzelnen Stücke der Materie sind für den Philosophen adjektivisch; sind Aspekte des Göttlichen Seins. Gott und die Natur sind ein und dasselbe. Alle endlichen Erscheinungen (Dinge und Ideen) sind Modi (Daseinswesen) der einen Substanz, da alles was ist aus ihr notwendig folgt. Persönliche Unsterblichkeit kann es für ihn nicht geben, sondern nur ein unpersönliches, immer stärker werdendes Einswerden mit Gott.

Spinoza vertritt die Meinung, dass alles einer absoluten, logischen Notwendigkeit unterliegt. Der Wille kann nicht freie Ursache genannt werden, sondern notwendige (Lehrsatz 32, Teil 1) Es gibt demnach keine Willensfreiheit in der geistigen Sphäre, noch Zufall in der physikalischen Welt. Der Philosoph meint zu wissen, dass alles von Gott bestimmt und insofern gut sei. Negatives existiert nur vom Standpunkt endlicher Kreaturen aus betrachtet. Das Böse gibt insofern nicht, sobald man es als Teil des Ganzen sieht. Die Tatsache, dass der Mensch lt. Spinoza keinen freien Willen hat, bedeutet keineswegs, dass er nicht verantwortlich ist für sein Handeln. Das begründet der Philosoph ebenfalls.

Spinozas Theorie der Affekte schließt sich an die metaphysische Erörterung über die Natur und den Ursprung des Geistes an.Er definiert in der Folge alle Affekte und resümiert, dass ein Affekt, auch Leidenschaft genannt, eine verworrene Idee ist, "durch die der Geist von seinem Körper oder einem Teil desselben eine größere oder geringere Existenzkraft bejaht als vorher und durch deren Vorhandensein der Geist selbst bestimmt wird, mehr an dies als an jenes zu denken." Affekte sind nach Spinoza Erregungen des Körpers, die das Tätigkeitsvermögen des Körpers vergrößern oder verringern, fördern oder hemmen, zugleich auch sind sie die Ideen dieser Erregungen.

Jedes Ding strebt danach, soweit es an ihm liegt, in seinem Sein zu verharren (Lehrsatz 6, Teil 3). Dieser Selbsterhaltungstrieb ist nach Spinoza das Grundmotiv der Affekte. Liebe, Hass und Kampf ergeben sich demnach aus der Tatsache, die im Lehrsatz 6, Teil 3 zum Ausdruck kommt. Spinoza begreift die menschliche Ohnmacht im Einschränken und Mäßigen der Affekte als Knechtschaft. " Wenn der den Affekten unterworfene Mensch steht nicht unter seinen eigenen Gesetzen, sondern unter denen des Schicksals, dessen Gewalt er dermaßen unterworfen ist, dem schlimmen zu folgen, obwohl er das bessere sieht"( S. 203).

Da der Mensch nicht nur Vernunftwesen ist, also ein Mensch der seiner Natur gemäß handelt, demnach bestrebt ist sich selbst zu erhalten, dürften ihm die Affekte eigentlich nicht im Wege stehen. Spinoza weiß aber, dass der Mensch von seinen Leidenschaften hin und her geworfen wird und es wenig Sinn macht Leidenschaften bloß zu unterdrücken oder zu zügeln, sondern "ein Affekt nur gehemmt oder aufgehoben werden kann durch einen anderen Affekt, der entgegengesetzt und stärker ist als der zu hemmende."( Lehrsatz 7, Teil 3) .

Geknechtet ist man, soweit das, was geschieht, durch äußere Ursachen bestimmt ist. Frei ist man, soweit man durch sich selbst bestimmt ist. Spinoza ist der Ansicht, dass alles Unrechttun eine Folge intellektuellen Irrtums ist. Der Mensch, der alles, was ihn angeht angemessen erkennt, handelt klug und ist selbst in Verhältnissen glücklich, die andere als Unglück betrachten würden. Spinoza erkennt und begründet, weshalb Liebe und Begierde ein Übermaß haben können und er beweist auch, dass Hass niemals gut sein kann.

Wer nach der Leitung der Vernunft lebt, strebt danach, soviel er kann, den Hass, den Zorn, die Verachtung u.s.w. anderer gegen ihn durch Liebe oder Edelmut zu vergelten. Spinoza erklärt gut nachvollziehbar, weshalb dies sinnvoll ist und er begründet auch, warum der freie Mensch über nichts weniger denkt als über den Tod und dessen Weisheit nicht ein Nachdenken über den Tod, sondern über das Leben ist( siehe Lehrsatz 67/ Teil 4). Ich schließe mich seiner Meinung nicht nur in diesem Punkt bedingungslos an. Spinoza weiß , was immer sich ereignet, ist Teil der ewigen zeitlosen Welt. Er möchte die Menschen von der Tyrannei der Furcht befreien, indem er ihnen verdeutlicht: Was geschehen soll, wird geschehen.

Ein Affekt hört auf Leidenschaft zu sein, sobald wir von ihm eine deutliche klare Idee bilden. Die Einsicht, dass alle Dinge notwendig sind, bewegt den Geist dazu, Herr über die Affekte zu werden. Da alles, was notwendig ist, Gottes Wille ist (denn Gottes Wille und das Notwendige sind eins) ist fortschreitendes Erkennen und Bejahen des Notwendigen zugleich wachsende Liebe zu Gott und Fügung in seinen Willen. Spinoza nennt diesen für den Menschen höchsten erreichbaren Zustand geistige Liebe zu Gott. Ganz zum Ende seiner Reflexionen sagt er: Die Glückseligkeit ist nicht der Lohn der Tugend, sondern die Tugend selbst und wir erfreuen uns derselben nicht, weil wir die Lüste einschränken, sondern umgekehrt, weil wir uns derselben erfreuen, können wir die Lüste einschränken ( Lehrsatz 42 , Teil 5). Spinoza möchte, dass man selbst im größten Unglück nicht in der Welt der eigenen Sorgen versinkt. Man soll lernen jedes Missgeschick in seiner Beziehung zu seinen Ursachen und als Teil der gesamten Weltordnung zu sehen. Er wirbt für Erkenntnis und hat mich, weil er für jeden Lehrsatz eine nachvollziehbare Begründung artikuliert, völlig in seinen Bann gezogen.

Spinozas fatalistische Ergebenheit muss nicht zu lässiger Tatenlosigkeit führen, aber sie könnte. Darin ist möglicherweise vordergründig ein Schwachpunkt in seiner philosophischen Betrachtung zu sehen, mit dem man sich nicht unbedingt anfreunden mag. Doch man vergegenwärtige sich immer wieder folgenden Gedanken Spinozas: "Wer Beleidigungen mit Hass erwidert und sich an dem Beleidigten rächen will, verbittert sicherlich sein eigenes Leben. Wer dagegen trachtet, den Hass durch Liebe zu bekämpfen, der kämpft unstreitig mit Freude und Zuversicht, wehrt sich ebenso leicht gegen einen Menschen, wie gegen viele und bedarf der Hilfe des Glücks am wenigsten."(S.240)


Empfehlenswert!



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