Dieses Blog durchsuchen

Rezension: Schulen brauchen gute Lehrer- Verhaltens-Ratgeber- Peter Denker

Der Autor dieses Buches, Peter Denker, hat Schulen aus unterschiedlichen Perspektiven kennengelernt und benennt diese auch: Abiturient, Lehramtsstudent, Praktikant, Referendar, Vater von drei Kindern, Gymnasiallehrer, Fortbildungsmoderator für "Schulentwicklung", Schulaufsichtsbeamter, Schulleiter und Autor von pädagogischen Publikationen. 

Geschrieben hat er das Werk für angehende- einschließlich "Seiteneinsteiger"- als auch für gestandene Lehrkräfte. Dabei möchte er angehenden Lehrkräften das Buch nicht zuletzt als Entscheidungshilfe für oder gegen diesen Beruf an die Hand geben. Das halte ich für sehr wichtig, denn oft ist es Lehramtsstudenten nicht wirklich klar, was auf sie später mal zukommt, wenn sie ihr Studium beginnen. 

Das Buch ist in 5 Kapitel untergliedert, denen ein umfangreicher Anhang, ein Stichwortverzeichnis und das Dankeschön folgen. Dabei hat das 1. Kapitel den Lehrer im Fokus und in diesem Zusammenhang zuallererst den Lehrerberuf. Hier erklärt der Autor detailliert, weshalb eine gute Eignung für diesen Beruf so wichtig ist und hinterfragt, weshalb man überhaupt Lehrer werden möchte. Um eine Vorstellung von dem zu bekommen, welche Anforderungen der Lehrerberuf an Pädagogen stellt, listet Peter Denker stichpunktartig diverse Belastungen auf. 

Der Autor weiß aus Erfahrung, dass Lernen in der Schule ein Prozess ist, bei dem die Lehrerpersönlichkeit zumindest ähnlich bedeutsam ist wie ihre didaktisch-methodischen Fähigkeiten. Hier lässt Denker den Leser nicht im Ungewissen, was man unter einer Persönlichkeit zu verstehen hat und welche Eigenschaften mit einer überzeugenden Lehrerpersönlichkeit verbunden sind. 

Will der Leser wirklich etwas von dem Buch haben, sollte er vor allem ehrlich zu sich selbst sein und sich ausloten in all den Belangen, die der Autor zur Sprache bringt, speziell auch bei den zahlreichen Tests. 

Immer wieder stößt man beim Lesen auf Warnungen und Übungen, die dazu dienen, wirklich wohlüberlegt den Lehrerberuf zu erwählen und als ausgebildeter Lehrer, der bereits seinem Beruf nachgeht, zu erkennen, was zu tun ist, um aufkommende Unzufriedenheit zu minimieren und dadurch nicht in den Teufelskreis des Burn-Out zu geraten. 

Sehr gut gefallen haben mir die Überlegungen, Übungen und Warnungen zum Thema "Können Sie gut mit anderen umgehen?" Wichtig ist hier, zu begreifen, dass schulisches Lernen personengebunden ist und deshalb der Lehrer sympathisch wirken sollte, um Schüler begeistern zu können und Lernfreude zu wecken. Sympathisch wirkt allerdings nur der, der bestimmte positive Eigenschaften lebt. Um welche es sich handelt, kann man dem Buch entnehmen. 

Im Rahmen eines überzeugenden Selbsttests lernt man mehr über sich kennen und kann sich in der Folge mit dem interessanten Phänomen "Perspektivwechsel" und "Selbstbeherrschung" auseinandersetzen. Im ersten Kapitel geht es zudem um Balance und Augenmaß, die zu besitzen für einen Lehrer von unschätzbarem Wert sind, um als fair agierende Autorität akzeptiert zu werden. Dabei ist es wichtig, dass Schüler lernen, dass Interessenausgleich sinnstiftender ist als unbedingt Recht zu bekommen. 

Peter Denker befasst sich in seinem umfangreichen Werk auch mit der "emotionalen Intelligenz", die ein guter Lehrer ebenso besitzen sollte wie Geduld, Gelassenheit und Resilienz. Man staunt, wie viel philosophisches, psychologisches und pädagogisches Wissen in geballter Form in diesem Werk verarbeitet worden ist und wünscht sich, dass alle Lehramtsstudenten mittels dieses Buches gecoacht werden, bevor sie erstmals mit Schülern in Kontakt kommen. 

Sehr gut gefallen hat mir übrigens der Abschnitt über Kommunikation. Was man unter ihr versteht und wie sie sinnstiftend im Unterricht stattfinden sollte, kommt zur Sprache und es wird verdeutlicht wie "Win-Win –Strategien"  funktionieren. Zwei Regeln, die dazu beitragen, sind fett gedruckt. 

 Ich erlaube mir, sie an dieser Stelle zu zitieren: 

"Behandle niemanden von oben herab" 

"Stemple niemand zum Verlierer!"

Es führt zu weit, sich in die vielen Aspekte dieses oder die anderen Abschnitte des Buches im Rahmen der Rezension zu vertiefen. Ich teile- so viel sei gesagt- die Meinung des Autors zu den Fragen in punkto Kommunikation ohne Wenn und Aber und damit auch seine Ansicht, was die Verständlichkeit der gesprochenen Sprache eines Lehrers anbelangt. 

Dass Lehrer Orientierung geben sollten, steht außer Frage. 

Im zweiten Kapitel geht es um die Motive, Erwartungen, Eigenschaften, Einstellungen und Verhaltensweisen von Schülern, denen man als Lehrer begegnet. Dazu gibt es wieder einen Selbsttest mit entsprechender Auswertung. Interessant ist, wie der Autor auch immer wieder die Schülerperspektive einnimmt, um die Wirkung von Verhaltensmuster der Lehrer zu begreifen, so etwa beim Umgang mit Fehlern. Über Schülernamen und Sitzordnung, auch über die Anrede der Schüler liest man Wissenswertes und die gegenseitige Höflichkeit kommt zur Sprache. All das ist sehr wichtig, wenn Unterricht erfolgreich sein soll, denn gegenseitige Achtung ist die Voraussetzung, dass Menschen einander  aufmerksam zuhören. 

Lernbedingungen sind auch ein Thema und hier nicht zuletzt Lob und Tadel. Dass individuelles Lob vor der Klasse zu Mobbingattacken führen kann, sollte Lehrer nachdenklich stimmen und sollten bei solch  individuellem Lob besser vertraulich vorgehen. 

Über Schülerverhalten klärt der erfahrende Autor auch bestens auf und verdeutlicht, weshalb Bewusstseinsbildung Strafen vorzuziehen ist. Lehrerverhalten und hier beispielsweise  der Umgang mit Kritik ist auch ein spannendes Thema, das von einem noch spannenderen getoppt wird: den Elternerwartungen. 

Gefallen hat mir hier speziell, die Auflistung dessen, was gute Eltern mit ihren Kindern unternehmen und auch wie Gespräche  von Seiten der Lehrer mit Eltern ausschauen sollten. Wie mit Beschwerden umgehen? Hier mehr zu erfahren, ist gewiss hilfreich, nicht nur für junge Lehrer. 

Kapitel 4 und 5 befassen sich mit dem Umgang mit Kollegen und den Chefs. Diese Kapitel sind für Studienanfänger noch nicht von aktuellem Interesse, werden aber später eine Rolle spielen. Kooperationsbereitschaft kann nicht früh genug eingeübt werden und Kenntnisse im Umgang mit dem Kollegium sollte man sich auch schon frühzeitig aneignen. Wie die Zusammenarbeit mit dem Schulleiter, dem Schulträger der Schulaufsichtsbehörde relativ reibungslos verlaufen kann, ist letztlich auch eine Frage des Wissens wie, über das man in dem Buch auch unterrichtet wird. Der Sekretärin, dem Hausmeister und dem Reinigungspersonal in der Schule Respekt und Dankbarkeit entgegenzubringen, ist auch ein Thema in Kapitel 5. "Behandle niemanden von oben herab".  Dies ist der Merksatz, der, sobald er im täglichen Tun gelebt wird, ein gutes Team zum Ergebnis  hat, das sich gegenseitig hilfreich zur Seite steht und voneinander lernt.

Das Werk enthält 17 Abbildungen, die wichtige Zusammenhänge verdeutlichen, zudem zahlreiche URL-Angaben und 36 QR-Codes, die auf Quellen im Internet verweisen. 23 hervorgehobene "Warnungen" vor Eigenschaften oder Haltungen für angehende Lehrer zeigen, was der Berufsausübung entgegensteht. Zum Umgang mit sich und anderen werden zu 31 Szenarien des Schulalltags jeweils drei mögliche Verhaltensweisen als "Selbsttest" zur Auswahl gestellt. Diese werden anschließend analysiert und bewertet. Fernerhin werden im Rahmen von 26 "Übungen" Aufträge formuliert. Sie sollen helfen, sich individuell oder in Gruppen in die jeweils zuvor dargestellten Methoden und Verhaltensweisen einzuüben, sie zu variieren oder zu vertiefen. 

Mich hat dieses Buch von der ersten bis zu letzten Seite inhaltlich und damit auch didaktisch überzeugt. Wenn es über die sozialen Netzwerke die Zielgruppen und dort  viele hilfesuchende, angehende Pädagogen und  bereits berufstätige Lehrer (m/w) erreicht, ist nicht nur diesen geholfen, sondern auch den Schülern und Eltern, weil es zu einem besseren Miteinander beiträgt. Es ist genau dieses Miteinander, das zu dem gewünschten Lernerfolg führt.

Sehr empfehlenswert 

Helga König

Überall im Fachhandel erhältlich

Onlinebestellung bitte hier klicken:  BoD oder Amazon:
Schulen brauchen gute Lehrer: Verhaltens-Ratgeber zum Umgang mit sich selbst, Schülern, Eltern, Kollegen, Chefs

Rezension: Voltaire. Stürmischer als das Meer-Diogenes

Der französische Philosoph Voltaire war der Sohn eines wohlhabenden Notars, der nach einer humanistischen Ausbildung Jura studierte, Spottverse gegen die Obrigkeit schrieb und 1717 deshalb elf Monate in Haft saß. Voltaire beherrschte alle Literaturgattungen seiner Zeit. Stets ging es ihm darum aufzuklären, so auch in seinen Briefen aus England. Die vorliegenden Briefe, die vor fast 300 Jahren von Voltaire verfasst wurden, gehören zu den Texten, die die Französische Revolution auslösten. Voltaire schrieb sie nach seiner Flucht nach England. Von dort aus betrachtete er Frankreich von außen. Insgesamt erwarten den Leser 25 Briefe. Diesen schließt sich das Nachwort des Verlagsbuchhändlers und Journalisten Rudolf von Bittner an. Im daran angefügten Personenverzeichnis werden alle in den Briefen genannten Personen kurz vorgestellt, so dass auch historisch weniger kundige Leser das Textpersonal gut verorten können. 

Wie man erfährt, wurde das Buch nach seiner Veröffentlichung zur Verbrennung auf dem Scheiterhaufen verurteilt. Zudem wurden die weitere Verbreitung und der Besitz dieser Publikation auch unter körperliche Bestrafung gestellt. Die Briefe sind laut von Bittner einer der Zündfunken an der einst langen Lunte, die die große Explosion, sprich die Französische Revolution auslöste, der wir die Ideen von Menschenrechten, Toleranz, Gleichheit und Freiheit verdanken und in deren Folge Demokratie und Rechtsstaatlichkeit wie auch alle zivilisatorischen Werte entstanden sind, die uns heute für ein vernünftiges Leben unabdingbar erscheinen. 

Wissen sollte man, dass Voltaire Passagen seiner Briefe aus England in spätere Werke übernommen hat, so etwa die letzten Zeilen des ersten Briefs über die Quäker. Wie man erfährt, sind die Briefe eine Momentaufnahme des intellektuellen Status Quo Voltaires. Er schreibt hier von Persönlichkeiten wie John Locke, Decartes, Newton und über die Gedanken von Blaise Pascal, auch von der Tragödie und der Komödie, vom Handel und vom Regieren und lässt selbst die Pockenimpfung nicht aus, um dem damaligen französischen Regime solche Nadelstiche zu versetzen, die zur Genesung des Landes  beitragen sollten. Seine Briefe dokumentieren wie weit die Wissenschaften und die zivilisatorische Entwicklung Westeuropas im ersten Viertel des 18. Jahrhunderts gediehen waren, denn Voltaire geht  es darin um Glauben, Literatur und Philosophie. Wie man erfährt, hat sich der Philosoph  sein ganzes Leben  mit dem Philosophen Blaise Pascal befasst und wenige Jahre nach den Briefen  aus England 16 weitere Anmerkungen zu Pascal publiziert und später nochmals 94 Anmerkungen zu dessen Gedanken verfasst.  Das geschah nicht grundlos. Geistige Anziehung hat bei diesen beiden Geistesgrößen viele Gründe. Eine spannende Aufgabe diese herauszufinden!

Sich in Voltaires Gedankenwelt zu vertiefen, ist immer bereichernd, Briefe von ihm zu lesen, verdeutlicht dem Lesenden, was einen französischen Intellektuellen ausmacht. Vielfalt und extrem differenzierte Überlegungen ohne Wenn und Aber, die immer punktgenau auf ein Problem zielen, um  zu dessen Lösung beizutragen. Dafür liebt man sie und im Speziellen  den scharfzüngigen Voltaire.


Sehr empfehlenswert.

Helga König 

Überall im Fachhandel erhältlich 

Online: Bitte hier klicken: Diogenes oder Amazon
Stürmischer als das Meer: Briefe aus England