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Rezension: Schluss mit Psychospielchen- Cornelia+ Stephan Schwarz- dtv

Cornelia Schwarz ist u.a. NLP-Lehrtrainerin, Coach  sowie Trainerin für Führungskräfte. Stephan Schwarz arbeitet als Psychologe, Pädagoge  und NLP-Lehrtrainer. Er ist ausgebildet in der Transaktionsanalyse. 

Im vorliegenden Buch erläutert das Autorenteam zunächst wie Psychospiele funktionieren, weil solche Spiele bei allen Beteiligten innere Leere erzeugen. Ursächlich hierfür ist der Moment, dass man seinen eigenen Emotionen nicht mehr traut, sich unwohl, unverstanden als auch überfordert fühlt und Dinge tut, die man an sich nicht tun wollte. In der Folge kann man so sehr neben sich stehen, dass man erschöpft ist, Angst hat oder ernsthaft krank wird. 

Man erfährt zunächst wie solche Psychospiele funktionieren und weshalb es sich lohnt,  aus ihnen auszusteigen. Bei diesen Spielen handelt es sich generell um destruktive Rollenspiele. Dabei kristallisieren sich drei spezifische Rollentypen heraus. Opfer, Retter und Verfolger. Diese drei Archetypen sind miteinander verbunden und bilden das Dramadreieck. 

Skizziert wird die  Ausgestaltung der einzelnen Rollen und nicht unerwähnt bleibt, dass im Verlauf des Spiels die Beteiligten die Rollen wechseln. Die Muster dieser Psychospiele entstehen in der Kindheit, wenn Kinder zu wenig geliebt werden, bzw. ihnen Zuneigung vorenthalten wird. Dann nämlich fühlen sie sich übersehen, vernachlässigt und abgelehnt. Um dennoch Aufmerksamkeit zu erhalten, entwickeln diese Kinder auffällige Interaktionsmuster. Es handelt sich im Grunde um Verzweiflungstaten, deren Ziel irgendeine Form von Nähe ist. 

Man lernt diese Psychospiele zu durchschauen und zwar durch Selbsterkenntnis und  mittels acht Aufgaben, die es zu lösen gilt,  um aus dem Dramaspiel auszusteigen. Wer Psychospiele spielt, verfügt über kein Einfühlungsvermögen, sondern möchte Beziehungen kontrollieren bzw. steuern. Wer aufgrund von Dramaspielen manipuliert oder manipulieren lässt, leidet unter unverarbeiteten Gefühlen. Versagensängste, Minderwertigkeitsgefühle und dergleichen spielen eine entscheidende Rolle. Offenbar werden Ängste schon früh gespeichert und formen negative Verhaltensmuster. Die gute Nachricht: Bearbeitete Ängste verlieren ihre Macht. 

An  sehr gut nachvollziehbaren Beispielen wird gezeigt wie man Psychospiele überwindet und dramafreie Interaktion möglich wird. Sobald man beginnt, den eigenen positiven Kern zu stärken, ist man für dramaorientierte Menschen nicht mehr interessant. Wer dramafrei agiert, übernimmt Verantwortung, lässt sich nicht provozieren, bevormunden oder einschüchtern. 

Gezeigt wird, wie man sein inneres Kind mit seinem Erwachsenen-Ich in Einklang bringt und welche Schritte uns davor bewahren, in ein Dramaspiel zu geraten. Sehr gut wird erläutert wie man aktiv ein Gespräch gestaltet, das dramafreies Kommunizieren zulässt.

Dann lernt man Opfer- Retter- und Verfolgerspiele und entsprechende Lösungsperspektiven kennen. Dies ist überaus erhellend. Spielgewinne und -verluste werden sehr gut aufgezeigt und die Taktiken werden bestens beleuchtet. 

Damit das Ich zukünftig dramafrei bleibt, ist es notwendig, es zu stärken. Dramafreie Kommunikation basiert auf bewussten Haltungen, sich und anderen und dem Leben gegenüber. Hierzu liest man Wissenswertes zum Schluss des Buches. 

Ganz wichtig sind klare Ansagen, denn durch diese lassen sich Missverständnisse vermeiden, aus denen Dramen oft resultieren. 

Bestimmte Grundhaltungen sollte man kultivieren. Zu diesen zählt auch die ethische Disziplin und die Weisheit. 

Alles in allem ein sehr empfehlenswertes Buch, das auf buddhistischem Wissen und psychologischen Coachingtechniken aufgebaut ist. 

Helga König 

Überall im Fachhandel erhältlich 

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Rezension: Die Weisheit der Stoiker- Ein philosophischer Leitfaden für stürmische Zeiten- Massimo Pigliucci- Piper

Der Autor dieses Buches ist Prof. Dr. Massimo Pigliucci. Er lehrt Philosophie am Lehmann College der City University in New York. Schwerpunkte seines Tuns sind Wissenschaftstheorie, Evolutionsbiologie und Stoizismus. 

Zunächst zeigt er, worum es im Stoizismus geht und fasst zusammen, dass wir im Leben Tugend und Vortrefflichkeit in dem Maße praktizierten, wie es die eigenen Fähigkeiten erlaubten- dass wir also unser Bestes geben. Von Bedeutung dabei sei zudem, auf die moralische Dimension all unserer Handlungen zu achten. 

In der Praxis und im Lebensalltag, verkörpere der Stoizismus eine dynamische Kombination von Nachdenken über theoretische Grundsätze, Lektüre über inspirierende Texte und Beschäftigung mit Meditation, Achtsamkeit und anderen spirituellen Übungen. Einer der wichtigsten Grundsätze sei dabei, den Unterschied zwischen dem, was für uns beherrschbar sei und dem, was wir nicht kontrollieren können, zu erkennen und unsere Anstrengungen auf Ersteres zu konzentrieren. 

Der Autor hebt hervor, dass entgegen gängiger Meinung der Stoizismus stets im hohen Maße eine Philosophie des sozialen Engagements gewesen sei, die dazu aufgefordert hat, das gesamte Menschengeschlecht wie auch die Natur zu lieben. 

Für Pigliucci ist der Stoizismus deshalb besonders attraktiv, weil die Stoiker den wissenschaftlichen Grundsatz der universellen Kausalität akzeptierten. Generell gilt, dass der Stoizismus mit der Suche nach einem glücklichen und sinnerfüllten Leben begann und immer als eine solche Suche verstanden wurde. 

Der Autor vermittelt im vorliegenden Buch die leicht anwendbaren Prinzipien des Stoizismus selbst bei komplexen Krisen. Dabei geht es um drei Grundfragen. Die erste habe ich bereits erwähnt, sie lautet: 

1. Was kann ich ändern, was entzieht sich meinem Einfluss? 

2. Wofür lohnt es sich auf die Barrikaden zu gehen? 

3. Geht es mir wirklich um die Sache oder nur um meinen verletzten Stolz? 

Im Rahmen von 14 Kapiteln lernt man sich stoischem Denken und Handeln zu nähern. Die einzelnen Kapitel beginnen jeweils mit Gedanken von Epiktet. So beginnt Kapitel 14 "Praktische spirituelle Übungen" mit einem Auszug aus den Lehrgesprächen III von Epiktet und zwar "Die Goldenen Verse des Pythagoras". Hier auch liest man den Satz "Werde beschämt, wo Böses geschehn; des Guten erfreu dich." 

Erläutert werden in diesem Kapitel u.a. die Grundprinzipien des Stoizismus als da sind: 

Tugend ist das höchste Gut, und alles andere ist indifferent 
Folgen Sie der Natur!
Die Dichotomie der Kontrolle (Praktische) 
Weisheit 
Mut 
Gerechtigkeit 
Mäßigung 

Der Erläuterung folgen 12 Übungen, so etwa zur Reflektion der Unbeständigkeit der Dinge oder auch wie man sich in andere Menschen hineinversetzt. Stoiker raten dazu, dass man seine Freunde und Bekannten gut auswählt und Beleidigungen mit Humor erwidert. Wichtig aber auch ist, nicht zu sehr von sich zu sprechen, wenn man mit anderen Menschen zusammen ist und sich zu bemühen, nicht zu urteilen. 

Wir leben in einer Zeit, in der die Menschen immerfort urteilen wollen. Das Ritual "Daumen hoch und Daumen runter" führt nicht zu einem Miteinander, sondern ist eine der Hauptursachen für die Zwietracht überall in unserer Welt. 

Sehr empfehlenswert,

Helga König

Im Fachhandel erhältlich

Onlinebestellung bitte hier klicken: Piper oder Amazon Die Weisheit der Stoiker:  Die Weisheit der Stoiker: Ein philosophischer Leitfaden für stürmische Zeiten

Rezension: Über den Anstand in schwierigen Zeiten und die Frage, wie wir miteinander umgehen- Axel Hacke- Kunstmann

Axel Hacke, der Autor des Buches arbeitet als Schriftsteller und als Kolumnist des Süddeutschen Zeitung Magazins in München. Im vorliegenden Buch befasst er sich mit dem etwas angestaubten Begriff des Anstands, der in allen Zeiten von überaus unanständigen Menschen, nicht zuletzt von den Nazis, zweckentfremdet wurde. 

Wie Hacke verdeutlicht, sollte man einen Begriff, der uns etwas bedeutet, nicht einfach aufgeben, weil dies eventuell bereits der Beginn einer Kapitulation vor jenen wäre, deren Verhalten man als unanständig empfindet. 

Hacke versucht unter Zuhilfenahme von Philosophen und Literaten den Begriff inhaltlich zu durchleuchten. Dies unternimmt er fast im Plauderton und schafft es so, ein eher doch ernstes Thema dem Leser kurzweilig zu unterbreiten.

Um zu verstehen, was Menschen antreibt, selbst die minimalsten Standards zwischenmenschlichen Verhaltens nicht zu akzeptieren und sich gegenläufig zu verhalten, sollte man zunächst einmal begreifen lernen, dass wir alle in vieler Beziehung das Gefühl verloren haben, eine Gesellschaft zu sein, zusammenzugehören, sich auseinanderzusetzen, eben mündiger Bürger zu sein. 

Hacke erinnert daran, dass wir von der technischen Entwicklung, von der Nötigung durch Selbstdarstellung und von diffusen Ängsten getrieben werden, die wir uns nicht eingestehen oder völlig übertreiben. Deshalb würden wir uns hysterisch verhalten, dort wo wir nüchtern sein müssten und unaufmerksam, dort wo wir wachsam sein sollten. 

Ungewissheit und Ängste treiben Menschen leider nicht selten Unanständigen zu, deren Strategie darin besteht, Hoffnungen zu nähren. Im Kreise Unanständiger anständig zu bleiben, bedarf großer innerer Stärke.

Für Hacke ist es klar, dass Tarnung hinter einem erfundenen Namen, Menschen ganz offenbar dazu verführt, Dinge zu tun, die sie ansonsten nicht tun würden, so etwa andere zu beleidigen, zu verleumden und den Respekt zu verweigern. Weil dies mittlerweile schon fast Normalität geworden ist, scheint eine Art Gewöhnungseffekt entstanden zu sein. Hacke berichtet von abgründigen Verhaltensmustern in den sozialen Netzwerken und verdeutlicht, dass durch das Prinzip der Likes drastische Botschaften erst Fahrt aufnehmen und sich vervielfältigen. Den Betreibern der Netzwerke geht es um Likes, weil diese für die Werbeeinnahmen wichtig sind. Was gelikt wird, ist im Grunde sekundär. 

Und allen geht es um Zuwendung - negativ wie positiv - und genau dabei kann der anständige Umgangston auf der Strecke bleiben. Wer diesen Umgangston eines anderen übernimmt, ist bereits auf dessen unanständiger Ebene angekommen, "in der Welt, in der man Menschen beleidigt, herabwürdigt, verhöhnt, sofern es den eigenen Zwecken dient", so der Autor. 

Menschen möchten wahrgenommen werden, weil sie nur auf diese Weise ein Gefühl für sich selbst erhalten. Um wechselseitige Aufmerksamkeit geht es in den sozialen Netzwerken, aber auch leider darum, sich die Aufmerksamkeit zu verschaffen, die der ein oder die andere im negativen Bereich benötigt. Die Rede ist von der Selbstradikalisierung vieler Menschen, die in anderen in erster Linie den Feind sehen. Die Suche nach Halt treibt diese Menschen in Gruppierungen, in denen Anstand, Gerechtigkeit, Solidarität nur noch für Gleichgesinnte gilt. 

Im Netz aber auch außerhalb hat sich der Ton verschärft, offenbar genau aus den genannten Gründen. Was kann man tun, um sich und anderen im positiven Sinne  Halt zu geben?

Sich vernünftig benehmen, wäre eine sinnstiftende Maßnahme. Vernunft und Anstand stehen nie im Widerspruch zueinander. Das beweisen die Kernaussagen des vorliegenden Buches.

Sehr empfehlenswert.

Helga König

Im  Fachhandel erhältlich. 
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Über den Anstand in schwierigen Zeiten und die Frage, wie wir miteinander umgehen

Rezension: Schulen brauchen gute Lehrer- Verhaltens-Ratgeber- Peter Denker

Der Autor dieses Buches, Peter Denker, hat Schulen aus unterschiedlichen Perspektiven kennengelernt und benennt diese auch: Abiturient, Lehramtsstudent, Praktikant, Referendar, Vater von drei Kindern, Gymnasiallehrer, Fortbildungsmoderator für "Schulentwicklung", Schulaufsichtsbeamter, Schulleiter und Autor von pädagogischen Publikationen. 

Geschrieben hat er das Werk für angehende- einschließlich "Seiteneinsteiger"- als auch für gestandene Lehrkräfte. Dabei möchte er angehenden Lehrkräften das Buch nicht zuletzt als Entscheidungshilfe für oder gegen diesen Beruf an die Hand geben. Das halte ich für sehr wichtig, denn oft ist es Lehramtsstudenten nicht wirklich klar, was auf sie später mal zukommt, wenn sie ihr Studium beginnen. 

Das Buch ist in 5 Kapitel untergliedert, denen ein umfangreicher Anhang, ein Stichwortverzeichnis und das Dankeschön folgen. Dabei hat das 1. Kapitel den Lehrer im Fokus und in diesem Zusammenhang zuallererst den Lehrerberuf. Hier erklärt der Autor detailliert, weshalb eine gute Eignung für diesen Beruf so wichtig ist und hinterfragt, weshalb man überhaupt Lehrer werden möchte. Um eine Vorstellung von dem zu bekommen, welche Anforderungen der Lehrerberuf an Pädagogen stellt, listet Peter Denker stichpunktartig diverse Belastungen auf. 

Der Autor weiß aus Erfahrung, dass Lernen in der Schule ein Prozess ist, bei dem die Lehrerpersönlichkeit zumindest ähnlich bedeutsam ist wie ihre didaktisch-methodischen Fähigkeiten. Hier lässt Denker den Leser nicht im Ungewissen, was man unter einer Persönlichkeit zu verstehen hat und welche Eigenschaften mit einer überzeugenden Lehrerpersönlichkeit verbunden sind. 

Will der Leser wirklich etwas von dem Buch haben, sollte er vor allem ehrlich zu sich selbst sein und sich ausloten in all den Belangen, die der Autor zur Sprache bringt, speziell auch bei den zahlreichen Tests. 

Immer wieder stößt man beim Lesen auf Warnungen und Übungen, die dazu dienen, wirklich wohlüberlegt den Lehrerberuf zu erwählen und als ausgebildeter Lehrer, der bereits seinem Beruf nachgeht, zu erkennen, was zu tun ist, um aufkommende Unzufriedenheit zu minimieren und dadurch nicht in den Teufelskreis des Burn-Out zu geraten. 

Sehr gut gefallen haben mir die Überlegungen, Übungen und Warnungen zum Thema "Können Sie gut mit anderen umgehen?" Wichtig ist hier, zu begreifen, dass schulisches Lernen personengebunden ist und deshalb der Lehrer sympathisch wirken sollte, um Schüler begeistern zu können und Lernfreude zu wecken. Sympathisch wirkt allerdings nur der, der bestimmte positive Eigenschaften lebt. Um welche es sich handelt, kann man dem Buch entnehmen. 

Im Rahmen eines überzeugenden Selbsttests lernt man mehr über sich kennen und kann sich in der Folge mit dem interessanten Phänomen "Perspektivwechsel" und "Selbstbeherrschung" auseinandersetzen. Im ersten Kapitel geht es zudem um Balance und Augenmaß, die zu besitzen für einen Lehrer von unschätzbarem Wert sind, um als fair agierende Autorität akzeptiert zu werden. Dabei ist es wichtig, dass Schüler lernen, dass Interessenausgleich sinnstiftender ist als unbedingt Recht zu bekommen. 

Peter Denker befasst sich in seinem umfangreichen Werk auch mit der "emotionalen Intelligenz", die ein guter Lehrer ebenso besitzen sollte wie Geduld, Gelassenheit und Resilienz. Man staunt, wie viel philosophisches, psychologisches und pädagogisches Wissen in geballter Form in diesem Werk verarbeitet worden ist und wünscht sich, dass alle Lehramtsstudenten mittels dieses Buches gecoacht werden, bevor sie erstmals mit Schülern in Kontakt kommen. 

Sehr gut gefallen hat mir übrigens der Abschnitt über Kommunikation. Was man unter ihr versteht und wie sie sinnstiftend im Unterricht stattfinden sollte, kommt zur Sprache und es wird verdeutlicht wie "Win-Win –Strategien"  funktionieren. Zwei Regeln, die dazu beitragen, sind fett gedruckt. 

 Ich erlaube mir, sie an dieser Stelle zu zitieren: 

"Behandle niemanden von oben herab" 

"Stemple niemand zum Verlierer!"

Es führt zu weit, sich in die vielen Aspekte dieses oder die anderen Abschnitte des Buches im Rahmen der Rezension zu vertiefen. Ich teile- so viel sei gesagt- die Meinung des Autors zu den Fragen in punkto Kommunikation ohne Wenn und Aber und damit auch seine Ansicht, was die Verständlichkeit der gesprochenen Sprache eines Lehrers anbelangt. 

Dass Lehrer Orientierung geben sollten, steht außer Frage. 

Im zweiten Kapitel geht es um die Motive, Erwartungen, Eigenschaften, Einstellungen und Verhaltensweisen von Schülern, denen man als Lehrer begegnet. Dazu gibt es wieder einen Selbsttest mit entsprechender Auswertung. Interessant ist, wie der Autor auch immer wieder die Schülerperspektive einnimmt, um die Wirkung von Verhaltensmuster der Lehrer zu begreifen, so etwa beim Umgang mit Fehlern. Über Schülernamen und Sitzordnung, auch über die Anrede der Schüler liest man Wissenswertes und die gegenseitige Höflichkeit kommt zur Sprache. All das ist sehr wichtig, wenn Unterricht erfolgreich sein soll, denn gegenseitige Achtung ist die Voraussetzung, dass Menschen einander  aufmerksam zuhören. 

Lernbedingungen sind auch ein Thema und hier nicht zuletzt Lob und Tadel. Dass individuelles Lob vor der Klasse zu Mobbingattacken führen kann, sollte Lehrer nachdenklich stimmen und sollten bei solch  individuellem Lob besser vertraulich vorgehen. 

Über Schülerverhalten klärt der erfahrende Autor auch bestens auf und verdeutlicht, weshalb Bewusstseinsbildung Strafen vorzuziehen ist. Lehrerverhalten und hier beispielsweise  der Umgang mit Kritik ist auch ein spannendes Thema, das von einem noch spannenderen getoppt wird: den Elternerwartungen. 

Gefallen hat mir hier speziell, die Auflistung dessen, was gute Eltern mit ihren Kindern unternehmen und auch wie Gespräche  von Seiten der Lehrer mit Eltern ausschauen sollten. Wie mit Beschwerden umgehen? Hier mehr zu erfahren, ist gewiss hilfreich, nicht nur für junge Lehrer. 

Kapitel 4 und 5 befassen sich mit dem Umgang mit Kollegen und den Chefs. Diese Kapitel sind für Studienanfänger noch nicht von aktuellem Interesse, werden aber später eine Rolle spielen. Kooperationsbereitschaft kann nicht früh genug eingeübt werden und Kenntnisse im Umgang mit dem Kollegium sollte man sich auch schon frühzeitig aneignen. Wie die Zusammenarbeit mit dem Schulleiter, dem Schulträger der Schulaufsichtsbehörde relativ reibungslos verlaufen kann, ist letztlich auch eine Frage des Wissens wie, über das man in dem Buch auch unterrichtet wird. Der Sekretärin, dem Hausmeister und dem Reinigungspersonal in der Schule Respekt und Dankbarkeit entgegenzubringen, ist auch ein Thema in Kapitel 5. "Behandle niemanden von oben herab".  Dies ist der Merksatz, der, sobald er im täglichen Tun gelebt wird, ein gutes Team zum Ergebnis  hat, das sich gegenseitig hilfreich zur Seite steht und voneinander lernt.

Das Werk enthält 17 Abbildungen, die wichtige Zusammenhänge verdeutlichen, zudem zahlreiche URL-Angaben und 36 QR-Codes, die auf Quellen im Internet verweisen. 23 hervorgehobene "Warnungen" vor Eigenschaften oder Haltungen für angehende Lehrer zeigen, was der Berufsausübung entgegensteht. Zum Umgang mit sich und anderen werden zu 31 Szenarien des Schulalltags jeweils drei mögliche Verhaltensweisen als "Selbsttest" zur Auswahl gestellt. Diese werden anschließend analysiert und bewertet. Fernerhin werden im Rahmen von 26 "Übungen" Aufträge formuliert. Sie sollen helfen, sich individuell oder in Gruppen in die jeweils zuvor dargestellten Methoden und Verhaltensweisen einzuüben, sie zu variieren oder zu vertiefen. 

Mich hat dieses Buch von der ersten bis zu letzten Seite inhaltlich und damit auch didaktisch überzeugt. Wenn es über die sozialen Netzwerke die Zielgruppen und dort  viele hilfesuchende, angehende Pädagogen und  bereits berufstätige Lehrer (m/w) erreicht, ist nicht nur diesen geholfen, sondern auch den Schülern und Eltern, weil es zu einem besseren Miteinander beiträgt. Es ist genau dieses Miteinander, das zu dem gewünschten Lernerfolg führt.

Sehr empfehlenswert 

Helga König

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Schulen brauchen gute Lehrer: Verhaltens-Ratgeber zum Umgang mit sich selbst, Schülern, Eltern, Kollegen, Chefs

Rezension: Voltaire. Stürmischer als das Meer-Diogenes

Der französische Philosoph Voltaire war der Sohn eines wohlhabenden Notars, der nach einer humanistischen Ausbildung Jura studierte, Spottverse gegen die Obrigkeit schrieb und 1717 deshalb elf Monate in Haft saß. Voltaire beherrschte alle Literaturgattungen seiner Zeit. Stets ging es ihm darum aufzuklären, so auch in seinen Briefen aus England. Die vorliegenden Briefe, die vor fast 300 Jahren von Voltaire verfasst wurden, gehören zu den Texten, die die Französische Revolution auslösten. Voltaire schrieb sie nach seiner Flucht nach England. Von dort aus betrachtete er Frankreich von außen. Insgesamt erwarten den Leser 25 Briefe. Diesen schließt sich das Nachwort des Verlagsbuchhändlers und Journalisten Rudolf von Bittner an. Im daran angefügten Personenverzeichnis werden alle in den Briefen genannten Personen kurz vorgestellt, so dass auch historisch weniger kundige Leser das Textpersonal gut verorten können. 

Wie man erfährt, wurde das Buch nach seiner Veröffentlichung zur Verbrennung auf dem Scheiterhaufen verurteilt. Zudem wurden die weitere Verbreitung und der Besitz dieser Publikation auch unter körperliche Bestrafung gestellt. Die Briefe sind laut von Bittner einer der Zündfunken an der einst langen Lunte, die die große Explosion, sprich die Französische Revolution auslöste, der wir die Ideen von Menschenrechten, Toleranz, Gleichheit und Freiheit verdanken und in deren Folge Demokratie und Rechtsstaatlichkeit wie auch alle zivilisatorischen Werte entstanden sind, die uns heute für ein vernünftiges Leben unabdingbar erscheinen. 

Wissen sollte man, dass Voltaire Passagen seiner Briefe aus England in spätere Werke übernommen hat, so etwa die letzten Zeilen des ersten Briefs über die Quäker. Wie man erfährt, sind die Briefe eine Momentaufnahme des intellektuellen Status Quo Voltaires. Er schreibt hier von Persönlichkeiten wie John Locke, Decartes, Newton und über die Gedanken von Blaise Pascal, auch von der Tragödie und der Komödie, vom Handel und vom Regieren und lässt selbst die Pockenimpfung nicht aus, um dem damaligen französischen Regime solche Nadelstiche zu versetzen, die zur Genesung des Landes  beitragen sollten. Seine Briefe dokumentieren wie weit die Wissenschaften und die zivilisatorische Entwicklung Westeuropas im ersten Viertel des 18. Jahrhunderts gediehen waren, denn Voltaire geht  es darin um Glauben, Literatur und Philosophie. Wie man erfährt, hat sich der Philosoph  sein ganzes Leben  mit dem Philosophen Blaise Pascal befasst und wenige Jahre nach den Briefen  aus England 16 weitere Anmerkungen zu Pascal publiziert und später nochmals 94 Anmerkungen zu dessen Gedanken verfasst.  Das geschah nicht grundlos. Geistige Anziehung hat bei diesen beiden Geistesgrößen viele Gründe. Eine spannende Aufgabe diese herauszufinden!

Sich in Voltaires Gedankenwelt zu vertiefen, ist immer bereichernd, Briefe von ihm zu lesen, verdeutlicht dem Lesenden, was einen französischen Intellektuellen ausmacht. Vielfalt und extrem differenzierte Überlegungen ohne Wenn und Aber, die immer punktgenau auf ein Problem zielen, um  zu dessen Lösung beizutragen. Dafür liebt man sie und im Speziellen  den scharfzüngigen Voltaire.


Sehr empfehlenswert.

Helga König 

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Stürmischer als das Meer: Briefe aus England

Rezension: In Schopenhauers Gegenwart- Michel Houellebecq- Dumont

Der zeitgenössische französische Autor Michel Houellebecq befasst sich in seinem neuesten Werk mit dem deutschen Philosophen Arthur Schopenhauer (1788-1860). Dabei wurde der vorliegende Text von Stefan Kleiner ins Deutsche übertragen. 

Houellebecq lässt die Leser zunächst wissen, dass er als junger Mensch Schopenhauers "Aphorismen zur Lebensweisheit" gelesen habe, zu diesem Zeitpunkt allerdings bereits mit anderen großen Geistern wie etwa Dostojewski, Thomas Mann, Blaise Pascal, Verlaine und Baudelaire auf Tuchfühlung gegangen war, selbst Gedichte schrieb und durch Schopenhauers Aphorismen glaubte, in Bezug auf seine literarischen Entdeckungen eine Kreisbewegung vollzogen zu haben. 

In der Folge las der Franzose Schopenhauers Werk "Die Welt als Wille und Vorstellung". Dieser Text beeinflusste das Denken Houellebecqs nachhaltig. In der vorliegenden Publikation unternimmt Houellebecq den Versuch, mittels seiner Lieblingsstellen aus "Die Welt als Wille und Vorstellung" zu zeigen, dass Schopenhauers Geisteshaltung nach seinem Dafürhalten nach wie vor dazu geeignet ist, allen nachfolgenden Philosophen als Vorbild zu dienen und weshalb man ihm gegenüber dankbar sein sollte. 

Sein Buch untergliedert er in sechs Kapitel und tritt in allen Kapiteln in den Dialog mit Schopenhauer und anderen Denkern, indem er einzelne Textstellen betrachtet und hier zunächst Textstellen aus Schopenhauers "Die Welt als Wille und Vorstellung“. Wie Houellebeqc hervorhebt, wendet sich Schopenhauer mit dem Satz "Die Welt ist meine Vorstellung" vom eigentlichen Geist der Philosophie ab, weil er dadurch bekundet, dass seine Philosophie nicht im Tod wurzelt. 

Houellebecq stellt im Geiste Schopenhauers eine Reihe interessanter Fragen, die das Hier und Jetzt betreffen, so etwa auch im Hinblick auf Künstler und ihre innere Verfasstheit. Auf Schopenhauer Bezug nehmend, deutet er das Wesen eines Künstlers als eigentlich passiv und dessen Betrachtung der Welt als gleichsam gefühllos. Der Künstler sei stets einer, der ebenso gut gar nichts tun könnte und allein mit der Versenkung in die Welt und einer damit verbundenen vagen Träumerei zufrieden wäre. Was den wahren Künstler von anderen Menschen unterscheide, sei dessen Begabung einer reinen, unverdorbenen Beobachtung. Sowohl der Künstler als auch dessen Kritiker sollten das Kunstwerk, das eine Art Naturprodukt sei, "mit derselben kontemplativen, unschuldigen Aufmerksamkeit betrachten, die der Künstler den Schöpfungen der Natur zuteil werden lässt". 

Schopenhauer begründet in seinem Text, weshalb das Reizende in der Kunst zu vermeiden sei. Er möchte offenbar weder durch Reflexion noch durch Begierde in der Betrachtung der Dinge der Welt in ihrer Gesamtheit gestört werden. Es geht ihm offenbar um das Staunen, das für Begierde und Reflexion keinen Platz lässt. Damit etwas schön bzw. ästhetisch bleiben kann, dürfen wir es nicht in einen emotionalen oder intellektuellen  Bezug zu uns setzen, so sein Gedanke. 

Es führt zu weit, die einzelnen Schopenhauer-Textstellen und die jeweiligen Betrachtungen Houellebeqcs hier alle zu beleuchten, zumal auf verschiedene andere Geistesgrößen Bezug genommen und darin erinnert wird, dass man Schopenhauer eher irrtümlich in die Nähe Balthasar Graciáns oder die französischen Moralisten gerückt habe, sein Buch "Die Welt als Wille und Vorstellung" stattdessen in seinen besten Passagen an einen Kommentar zum Buch Kohelet erinnerten. 

Nicht wenige Metaphern Schopenhauers seien der Welt des Theaters entliehen, insofern nennt Houellebecq eines der Kapitel "Welttheater". Im weiteren Fortgang seiner Überlegungen - Houellebecq zieht hier auch Schopenhauers "Aphorismen zur Lebensweise" zu Rate -  macht er deutlich, dass es der eher als sauertöpfisch verschriene Philosoph Schopenhauer war, der erkennt, wer der im Grunde glücklichste Mensch sei. 

Für humorlose deutsche Intellektuelle ist Schopenhauers Verortung des glücklichsten Menschen natürlich niederschmetternd. Houellebeqc hingegen nimmt es gelassen. Wieso? Michel Houllebeqc ist bekanntermaßen ein französischer Intellektueller mit viel Esprit und Hintersinn, der seinem Glück amüsiert entgegen lebt. Alles eine Frage der Zeit… Das wusste Salomo bereits.

Sehr empfehlenswert 

Helga König

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Rezension: Glück und Wohlwollen- Versuch über Ethik- Robert Spaemann- Versuch über Ethik

Prof. Dr. Robert Spaemann ist der Autor des vorliegenden Buches. Er lehrte von 1962 bis 1992 Philosophie an der TH Stuttgart und den Universitäten Heidelberg und München. Zudem hatte er zahlreiche Gastprofessuren inne, erhielt mehrere Ehrendoktorwürden und ist Träger des Karl-Jaspers-Preises 2001 der Stadt und der Universität Heidelberg. Die vorliegende Sonderausgabe wurde Robert Spaemann zu seinem 90. Geburtstag gewidmet, den er am 5. Mai gefeiert hat. 

Das Buch umfasst zwei große Teile. Dies hängt damit zusammen, dass zwei große europäische Traditionen der Ethik miteinander im Widerstreit liegen und der Autor den Dualismus den Lesern begreifbar machen möchte. Es sind die Ansätze von Aristoteles und Kant, um die es hier geht. 

Für Aristoteles war das Gelingen des Lebens (Glück) entscheidend, während Kant menschliches Handeln aus der Perspektive der Pflichten rechtfertigte. Spaemann führt die beiden Perspektiven auf etwas Ursprüngliches zurück und versöhnt sie auf diese Weise. Es handelt sich bei dem Ursprünglichen um die "Wahrnehmung der Wirklichkeit". 

Wissen muss man, dass Aristoteles aus der Schilderung ethischer Situationen Maximen und ethische Regeln ableitet. Dazu erfährt man im Buch Näheres. Beim Gelingen des Lebens zählen nicht nur die verwirklichten Ziele, sondern es ist auch wichtig, dass die Handlungen durch die Ziele realisiert wurden selbst Teile des Gelungenen oder Misslungenen sind. Außerhalb der Philosophie gibt es nur ein relatives Gelingen, wenn Menschen in ihrem Leben das Gute objektiv durch ihr jeweils besonderes Tun darstellen. Das scheint zu funktionieren, wenn man unter philosophischer Anleitung lebt, wohingegen in einer schlecht organisierten, unphilosophischen Gesellschaft das Leben nicht im Sinne von Aristoteles gelingen kann. Nur das Gelingen des philosophischen Lebens ist frei von den sozialen und politischen Rahmenbedingungen, da die wissende Teilhabe am Guten unabhängig davon ist. Die aristotelische Lehre vom gelingenden Leben habe den Charakter eines Kompromisses und zwar in vielfacher Hinsicht. Dies wird Kapitel "Der aristotelische Kompromiss" verdeutlicht.

Bei Kant stellt sich die Frage, was zwingend erforderlich ist, um dessen "Kategorischem Imperativ" zu genügen. Dabei muss man wissen, dass allem Wollen und sollen die "Wahrnehmung der Wirklichkeit" vorausgeht. Pflichten gegenüber Dritten setzen demnach voraus, dass man die Anderen als "wirklich" voraussetzt, dass man sich von Person zu Person begegnet. Wer erwacht sei, für den stellt sich nicht die Frage, weshalb man anderen gegenüber wohlwollend sein soll und für den, der es nicht ist, bliebe die Frage unbeantwortbar. 

Da die Normalverfassung des Menschen eine Art Halbwachheit sei, müsse die Philosophie dazu verhelfen, vollständig wach zu werden. 

Robert Spaemann schreibt: "Einen Menschen vollkommen ernst nehmen heißt ihn vernichten. Denn vollkommen ernst genommen zu werden überfordert uns. Die Vernunft eröffnet uns eine Dimension, von der wir zugleich erkennen, dass sie nicht ausfüllbar ist. Niemand ist vollkommen erwacht. Natürlichkeit ist Unbewusstheit. Das «Sie wissen nicht, was sie tun» kommentiert alles menschliche Handeln, das nicht Ausdruck der Liebe ist, und ist zugleich das Argument für die Bitte: «Vergib ihnen». 

Ein sehr komplexes Buch, dessen Inhalt man in einer nicht allzu umfangreichen Rezension verkürzt nicht wirklich zufriedenstellend ausbreiten kann. 

Sehr empfehlenswert. 

Helga König

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Das unsterbliche Gerücht: Die Frage nach Gott und der Aberglaube der Moderne

Rezension: Die Wiederentdeckung der Kindheit- Wie wir unsere Kinder glücklich und lebenstüchtig machen.- Michael Winterhoff-Gütersloher Verlagshaus

Der Autor dieses Buches ist der Kinder-und Jugendpsychiater sowie Jugendtherapeut mit eigener Praxis Dr. Michael Winterhoff. Er beschäftigt sich primär mit psychischen Entwicklungsstörungen im Kindes- und Jugendalter aus tiefenpsychologischer Sicht. 

Sein neues Werk ist in neun Kapitel untergliedert, die drei Teilen zugeordnet sind. Prolog und Epilog vervollständigen das Buch, in welchem der Leser auf die Suche nach einer Kindheit gehen kann, so wie Kinder sie benötigen. Damit meint Winterhoff eine Kindheit, die sie zu "glücklichen, lebenstüchtigen, selbstständigen Erwachsenen mit guter Persönlichkeit werden lässt, die darauf brennen, als beziehungsfähige und verantwortungsvolle Menschen ihren Platz in der Welt zu finden."

Wie der Autor zu Beginn seiner Überlegungen hervorhebt, sei es eine Tatsache, dass Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene von heute sich wesentlich von denen unterscheiden, die um 1990 herum aufgewachsenen sind. So scheint es offenbar mittlerweile normal zu sein, dass ein hoher Anteil der Kinder später einmal auf dem Arbeitsmarkt keine Chancen haben wird, weil es ihnen an Konzentrationsfähigkeit und Frustrationstoleranz mangelt, auch dass sie sich nicht mehr zu benehmen wissen oder dass sie Tage lang hinter abgeschlossenen Türen auf Tauchstation gehen, um den Highscore eines Spiels zu knacken, um nur einige Beispiele zu nennen. 

Michael Winterhoff zeigt anhand von vier fiktiven Jugendlichen wie sie sich entwickeln bzw. entwickelt haben aufgrund einer völlig unterschiedlichen Erziehung. Mittlerweile scheint es so zu sein, dass Kinder selbst einfachste Anweisungen nicht mehr befolgen können. Viele wissen nicht mehr, wo links und rechts ist und dies sei keine Frage der Intelligenz. Es mangelt den Kindern zudem an Begeisterungsfähigkeit. Unbeschwertheit, Freiheit und Fürsorge kennen sie nicht. Das hängt  u.a. damit zusammen, dass die Eltern ihre Kinder mit Problemen belasten, die nicht altersgerecht sind. Offenbar wollen die Eltern nicht verstehen, dass Augenhöhe mit Kindern unmöglich ist, weil ein Kind eben ein Kind und kein kleiner Erwachsener ist. 

Winterhoff erklärt, wie Unbeschwertheit, Freiheit und Fürsorge in der Kindheit ausschauen und was derzeit falsch läuft. 

Weshalb ist es so schwierig für Grundschüler geworden, die Kulturtechniken wie Lesen, Schreiben und Rechnen zu erlernen? Das Buch macht begreifbar, dass Eltern und andere Erziehungsberechtigte einfach den falschen Weg gegangen sind, indem sie Kinder einerseits überbehüten und andererseits sie nicht als unreife Menschen betrachten, denen Grenzen gesetzt werden müssen. Das sind die Auslöser für diverse Schwierigkeiten.

Für Ziele zu arbeiten ist dieser Generation fremd, es sei denn, sie bringen ihnen Lustgewinn. Die jungen Menschen sind auf dem Stand von 16 Monate alten Kleinkindern. Wieso das so ist, erläutert der Autor sehr gut und verdeutlicht, weshalb diese Kinder gefühlsblind, oft unfähig zur Kommunikation,vereinsamt, aggressiv und pathologisiert sind. 

Ein wirkliches Problem stellt sowohl bei Eltern als auch Kindern das Internet dar. Kinder erlernen neuerdings Kommunikation bevorzugt in digitaler Form, aber auch Eltern halten sich ständig am Smartphone oder am Computer auf. Dies und die große Möglichkeit anderer Freizeitbeschäftigungen haben zu einem veränderten Eltern-Kind-Verhalten geführt, das Projektion, Symbiose und diese im Katastrophenmodus zum Ergebnis haben. 

Offenbar ist die Eltern-Kind-Beziehung krass gestört, auch die Großelternbeziehung scheint es zu sein. Die Ergebnisse sind mehr als unerfreulich, wie Winterhoff darlegt. 

Es wird Zeit umzudenken. Sinnstiftender mit Laptop, Smartphone etc. umzugehen, sich Zeit zu nehmen für die Entwicklung der Kinder und aufzupassen, dass die Erzieher nicht in die Regression fallen, darum geht es. 

Spannend auch ist es den Anhang zu lesen. Hier wird die Entwicklung der emotionalen und sozialen Psyche des Kindes aus tiefenpsychologischer Sicht chronologisch aufgezeigt. So wird deutlich, wieso ein Mensch emotional und sozial nicht auf dem Stand eines 16 Monate alten Kindes stehen bleiben kann und welche Folgen  ein  uneinsichtiges Verhalten für die Gesellschaft hat. 

Empfehlenswert 

Helga König

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Rezension: Die Macht der Kränkung- Reinhard Haller - Ecowin

Prof. Dr. Haller ist Chefarzt einer psychiatrisch-psychotherapeutischen Klinik mit Schwerpunkt Abhängigkeitserkrankung und wird als einer der renommiertesten Gerichtspsychiater Europas stets aufs Neue mit der Begutachtung großer Kriminalfälle betraut. Er schreibt, dass  in besagten Kriminalfällen oft kein anderes Motiv als tiefe Kränkung zu finden sei.

Der Autor untergliedert sein Buch in drei große Abschnitte: 

I. Wesen und Ursachen der Kränkung 

II. Erscheinungsformen der Kränkung 

III. Umgang mit Kränkungen 

In der Einleitung, die den drei Abschnitten vorangestellt ist, erfährt man bereits, dass es Kränkungen sind, die am Beginn von Auseinandersetzungen und Feindschaft, von Demütigung und Rache, von Krankheit und Leid stehen. Dabei sind es  speziell kollektive Kränkungen, deren destruktive Energie in der gesamten menschlichen Geschichte Kriege ausgelöst haben. Schon der Brudermord von Kain an Abel in der Bibel basiere auf tiefer Gekränktheit. Somit erweist sich Kränkung als Urmotiv des Urverbrechens. 

Kränkungen, so der Autor, stellen das zwischenmenschliche Problem schlechthin dar. An Kränkungen kann wirtschaftlich, politisch aber auch privat viel scheitern. Deshalb auch lautet die Hauptthese des vorliegenden Werkes: "Was kränkt, macht krank, was kränkt löst Krisen aus, Kränkungen führen zu Kriminalität und Krieg." 

Im ersten Abschnitt des Buches geht es um Wesen und Ursachen der Kränkung. Hier kann man sich u.a. mit individuellen Empfindlichkeiten auseinandersetzen, lernt Kränkung als Interaktion zu begreifen und erfährt  zudem Wesentliches über Kränkungsempfänger und Kränkungsabsender wie auch die Kränkungsbotschaft. 

Die schwerste Form der Kränkung ist die Enttäuschung, gefolgt von Ablehnung/Zurückweisung, Vertrauensverlust, Mobbing, Beschämung, Missachtung/Geringschätzung, Verleumdung, Diffamierung und Spott. 

Man lernt die sieben Kränkungselemente kennen und sowie zu begreifen und liest, dass Kränkungen Hinweistafeln auf unsere Schwachstellen sind, auf immer noch nicht verheilte Verletzungen oder verdrängte Probleme. 

Wer ein stabiles Selbstwertgefühl behalten möchte, sollte Kränkungen stets aufarbeiten. 

Der Autor thematisiert sie einzelne Kränkungen ausführlich und veranschaulicht diese durch praktische Beispiele. 

Sehr spannend liest sich das Kapitel über die gekränkte und kränkende Persönlichkeit. Hier wird klar, welche Persönlichkeitsstruktur dazu neigt, andere zu kränken (es sind Psychopathen und Narzissten primär) und wer besonders kränkbar ist nämlich: Hochsensible aber auch Narzissten. 

Über die einzelnen Persönlichkeitsstrukturen wird man sehr gut aufgeklärt, liest alsdann über Narzissmus und hier auch über narzisstische Wut. Kollektive Kränkungen aber auch Kränkungen wie Beleidigungen, Beschämungen etc. kommen zur Sprache und es ist des Weiteren ein Kapitel der Demütigung gewidmet, die als die tiefste, bösartigste und folgenschwerste Kränkung gilt. Sie sei Entwertung, Verletzung, Beschämung und Diffamierung in einem. Demütigung ruft Gefühle der Scham, Hilflosigkeit, der ohnmächtigen Wut, der Verzweiflung und totalen Erniedrigung hervor. Im Gegensatz zu sonstigen Kränkungen handelt es sich um eine gezielte Aggression, bewusste Bloßstellung und geplante Entwürdigung anderer. Demütigung gehöre zur psychischen Konstellation des Bösen. Dieses Böse besteht u.a. aus sadistischer Aggression, malignem Narzissmus, Empathiemangel und einseitiger Machtverteilung. Die Täter, die demütigen, setzen sich über den jedem Menschen zu jeder Zeit innewohnenden Moralinstinkt hinweg. Zugleich werde die Schamgrenze des Opfers überschritten. Offenbar ist das Beherrschen des Opfers für den Täter der primäre Reiz. 

Über Demütigung und Macht, auch über die Folgen von Demütigung erfährt man mehr und schließlich auch über Verbitterung, die als unheilbare Kränkung gilt. Dass Kränkung krank macht, wurde eingangs schon erwähnt. Wie diese Krankheiten aussehen, wird auch erörtert. Essstörungen, Sucht etc. gehören dazu, aber auch Burn-out. 

Über Kränkungen im Berufsleben wird man aufgeklärt und in diesem Zusammenhang auch über Mobbing und Co. Aufgelistet sind eine Vielzahl von Handlungen, unter denen Mobbingopfer zu leiden haben. Verbrechen, die aufgrund von Kränkungen begangen werden,  bleiben ebenso wenig ausgespart wie der Umgang mit Kränkungen. 

Schweigen verhindere den Abbau von Aggression und fördere negative Fantasien. Der Schweigende zöge sich auf eine narzisstische Position zurück mit geradezu hysterischer Demonstration auf sein Gekränktsein. Dadurch fühlt sich das Schweigeopfer entwertet und schuldig. Durch diese schweigende Form des Kränkens werden zwischenmenschliche Probleme bis zur Unlösbarkeit kompliziert. 

Bei allem sollte man Kränkung auch als Chance begreifen, denn sie kann zur Selbsterkenntnis dienen aber man kann auch dadurch den Kränkenden besser kennen lernen. Das fördert nicht zuletzt die Menschenkenntnis. 

Wichtig ist natürlich  zu erfahren, wie man Kränkungen entmachtet. Hier helfen 8 Schritte, die man durch Prof. Dr. Haller zu gehen lernt. Die letzten Schritte heißen- so viel sei verraten: Loslassen- Perspektivwechsel und schließlich verzeihen. 

Klingt irgendwie unproblematisch. Einfach mal ausprobieren...

Sehr empfehlenswert

Helga König

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Rezension: Über Freundschaft- Alexander Nehamas-dtv

Der Autor des vorliegenden Buches ist der gebürtige Grieche Alexander Nehamas. Er ist Professor für Philosophie und Vergleichende Literaturwissenschaften an der Princeton University sowie Fellow der American Academy of Arts & Sciences. 

Bücher über Freundschaft sind schon viele geschrieben worden, einige habe ich bereits rezensiert. 

Warum nun sollte man Nehamas Buch zu diesem Thema auch noch lesen?

Ein Grund sind die Untersuchungen im ersten Teil des Werks im Hinblick auf das, was über die Freundschaft im Laufe der Jahre geschrieben wurde und auch wie man sie künstlerisch zu fassen gesucht hat. Deutlich wird bei diesen Untersuchungen, dass sowohl Philosophie als auch Kunst unsere Wertschätzung von Freundschaft vertiefen.

Gefallen haben mir die Bildbetrachtungen in diesem Zusammenhang. Hier erfährt man, dass es "keine Geste, keinen Blick, keine Komposition, keine Haltung, kein Gefühl, keine Handlung und keine Situation" gibt, die eindeutig mit Freundschaft verbunden ist. 

Freundschaft kenne in der Kunst keine sicheren Anzeichen. Auf Bildern begegnen uns Freunde jeden Alters und Geschlechts. Ihr Gefühlsausdruck kann höchst unterschiedlich sein. Dass Freunde fast alles miteinander tun können, gelte nicht nur für die Bildsprache. 

Insgesamt muss festgehalten werden, dass Freundschaft weitaus komplexer und vielschichtiger sei als das Bild, das die Philosophie und die Künste von ihr zeichnen. 

Diese Widersprüchlichkeiten werden im 2. Teil des Buches umfassend erörtert. Dass eine gute Freundschaft durchaus auch in Unmoral begründet sein könne, sei ein starkes Indiz dafür, dass sie keine moralische Tugend sei. Freundschaft kenne aber ähnlich wie die Tugend graduelle Abstufungen und decke eine große Bandbreite von Beziehungen ab. 

Die Janusköpfigkeit von Freundschaft, die sehr gut abgehandelt wird, soll uns allerdings nicht daran hindern, Freundschaften zu pflegen, denn letztendlich sind diese stets einmalig und halten immerhin noch ein paar Menschen zusammen in unserer  unwirtlichen Welt der Vereinzelung.

Empfehlenswert 

Helga König 

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