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Rezension: Philosophie der Einsamkeit- Lars Fr. H. Svendsen

Der Autor dieses lesenswerten Buches ist Prof. Dr. Lars Fr. H. Svendsen. Er lehrt an der Universität in Bergen und wurde 2008 mit dem Meltzerpreis für hervorragende Forschung und Forschungsvermittlung ausgezeichnet. Sein vorliegendes Werk wurde von Daniela Stilzebach aus dem Norwegischen ins Deutsche übersetzt. 

Svendsen definiert Einsamkeit als gefühlsmäßige Reaktion darauf, dass das Bedürfnis einer Person nach Bindung zu einer anderen nicht befriedigt wird. Dabei muss man wissen, dass Einsamkeit und Alleinsein zwei verschiedene Phänomene sind. Studien zu Folge haben für das subjektive Wohlbefinden von Menschen als soziales Wesen Lebenspartner und Freunde eine größere Auswirkung als Reichtum und Berühmtheit, wohingegen soziale Isolation sich auf die psychische und physische Gesundheit negativ auswirkt. 

Viele Philosophen haben sich mit dem Phänomen der Einsamkeit näher befasst. Darüber erfährt man im Buch viel Wissenswertes aber auch über die Formen der Einsamkeit. Sie ist übrigens ein starker Prädikator für Mortalität und beeinflusst den Blutdruck, die Immunabwehr und verursacht einen Anstieg von Stresshormonen im Körper. Dies wiederum erhöht Alzheimer und auf lange Sicht generell geschwächte kognitive Fähigkeiten.

Zudem kann Einsamkeit den Alterungsprozess beschleunigen. Einsame Menschen wachen während des Schlafes häufiger auf.  Ferner soll das Gefühl von Einsamkeit negativere Folgen für die Gesundheit haben als subjektive soziale Isolation. Ein hoher Grad von Einsamkeit korreliert des Weiteren stark mit den Kriterien von Depression. 

Einsamkeit als Gefühl wird breit angelegt erörtert. So erfährt man, dass der Einsame ein Selbst geformt hat, das andere Menschen sowohl fürchtet als auch zugleich eine Bindung an sie wünscht. Einsame haben ein geringeres Vertrauen in andere und ziehen rascher Grenzen. Auf diese Weise entsteht immer mehr Einsamkeit. 

"Nur eine Person mit Fähigkeit zu Freundschaft und Liebe vermag Einsamkeit fühlen", so Svendsen. Der Autor reflektiert dies in dem Kapitel über Freundschaft und Liebe und stellt anschließend Überlegungen zum Individualismus im Hinblick auf Einsamkeit an. 

Neben der bedenklichen Einsamkeit gibt es allerdings noch eine weitere, nämlich jene, die zur Erkenntnis führt. Sie erfordert eine gewisse Selbstgenügsamkeit.

Einsamkeit lässt sich verringern, wenn man die Fähigkeit besitzt, in sich zu ruhen, so der Philosoph, sodass man nicht so stark von der Bestätigung anderer abhängig ist, zugleich jedoch versucht, sich ihnen zu öffnen. 

Wer einsam ist, muss die Verantwortung hierfür übernehmen und sollte Wege finden, sie zu minimieren, da sie keinem Menschen langfristig wirklich gut tut.  Wir alle sind auf soziale Kontakte  angewiesen.  Svendsen verdeutlicht die Bandbreite der Gründe mehr als nur zufriedenstellend.

Sehr empfehlenswert 
Helga König

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Rezension: Die Othello- Falle- Wolfgang Hantel -Quitmann-Klett-Cotta

Prof Dr. Wolfgang Hantel-Quitmann, der Autor dieses Buches ist Familien-Psychologe in Hamburg. Sein Werk "Die Othello-Falle" beginnt mit einer Einführung, die den Titel "Opfer des eigenen Denkens" trägt. Wer Opfer des eigenen Denkens ist, versuche aufgrund von Scham, die Einsicht in eigene Fehler zu verdecken. Schuld werde deshalb abgewehrt und lieber anderen zugewiesen. Psychische Abwehrreaktionen ließen sich dauerhaft jedoch nicht aufrechterhalten. Sich über Mangel an Bewusstsein herauszureden, sei nicht überzeugend, weil seit Freud in der Psychologie jeder für sein eigenes Unbewusstes verantwortlich sei. 

Wie nun lassen sich unbewusste Fehler erkennen und beseitigen? Es müssten Denkmuster überprüft werden, die zu einem bestimmten Handeln geführt haben. So lasse sich  zwar aus eigenen Erfahrungen lernen, jedoch nur, wenn man eigene Fehler nicht verdrängt oder auf andere projiziert. 

Wie der Autor erwähnt, hat der Philosoph Platon das Denken als ein Gespräch mit der Seele begriffen. Nach Platon kommt es zu Denkfehlern, wenn man im Gespräch mit der Seele nicht wahrhaftig ist. 

Ein Schlüssel zum Verständnis eigener Fehler und Beziehungsfallen sollen die begleitenden Gefühle in solchermaßen komplizierten Situationen sein, die mit Stress verbunden sind. Bestimmte Gefühle dokumentieren, dass unser Denken zu sozialen Problemen geführt hat. Nun möchten die Betroffenen die negativen Gefühle loswerden, gleichwohl am bisherigen Denken festhalten. Dies sei jedoch zumeist unmöglich. 

Eifersucht und Schuld als Verwirrung der Gefühle, Denkfehler als Verwirrung des Verstandes sowie Intrigen und Täuschungen als Verwirrung der Beziehungen sind die Ergebnisse, wenn man am bisherigen Denken festhält. 

Nur Selbstreflexion, Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen können aus diesem Dilemma heraushelfen und zu einer neuen Selbsterkenntnis führen, schreibt Hantel-Quitmann. 

Im Rahmen von drei großen Abschnitten reflektiert der Autor deshalb: 

Verwirrungen der Gefühle- Eifersucht und Schuld 
Verwirrung des Verstandes- Irrtum und Denkfehler 
Verwirrung der Beziehungen- Täuschung und Intrige

Im vierten Abschnitt dann folgen Überlegungen, die Hantel- Quitmann im Satz " Du sollst nicht alles glauben, was Du denkst- Wege aus der Othello-Falle" zusammenfasst. 

"Wie viel Wahrheit verträgt der Mensch?" fragt der Autor in einem der Abschnitte und lässt den Leser wissen, dass Wahrnehmungsunterschiede Unterschiede in der Interpretation der Wirklichkeit sind, die aufgrund unterschiedlicher persönlicher Erfahrungen entstehen. 

Wir alle glauben, dass unsere Wahrnehmung der Welt eine objektive Abbildung der Realität sei, bis wir feststellen, dass andere dieselbe Welt vollkommen anders sehen. Unsere Wahrnehmung unterscheide sich zunächst nicht zwischen natürlich-objektiver und sozial-subjektiver Wirklichkeit. Dabei sei es die Wahrnehmungskonstanz, die uns zur Annahme der Objektivität verleite. 

Besonders kläglich sei die Wahrnehmung in der Eifersucht, speziell in ihrer pathologischen Variante. Hier bestimme die Wahrnehmung des Eifersüchtigen, was real sei und was nicht. Auch wenn Informationen in offensichtlichem Widerspruch stehen, werden sie uminterpretiert und als weitere betrügerische Absichten des Partners erlebt. Othello sei ein typisches Beispiel hierfür. 

Extremfall selektiver Wahrnehmung seien soziale Vorurteile. Hierbei handele es sich um Schablonen und Automatismen, die entstanden sind, um das Leben zu erleichtern, wohl aber die Realität erheblich verzerren könnten. 

Im Rahmen dieses Buches erfährt man u.a. Wissenswertes über die Variationen der Täuschung. Diese Variationen werden anhand von Beispielen vorgestellt und diskutiert. Immer wieder greift der Autor auch auf Beispiele in der Literatur zurück, um Täuschungen zu versinnbildlichen.  Das ist eine gute Methode, um dem an guter Literatur interessierten Leser  klar zu machen, worum es geht.

Im 4. Abschnitt dann werden die wichtigsten Wege aus der Othello-Falle beschrieben. Es geht dabei um: die Überwindung von Angst, den Mut der Wahrhaftigkeit, das Prüfen alter Lösungswege und anders mehr. 

Wer sich bewusst machen möchte, weshalb wir Irrtümern unterliegen, Fehler begehen und auf Täuschungen hereinfallen, auch Opfer unserer eigenen trügerischen Annahmen sind, wird das Buch gerne lesen und zukünftig dem eigenen Denken und unseren eigenen Beobachtungen sowie Schlussfolgerungen skeptischer gegenüber stehen. Nicht alles ist so, wie es uns erscheint.


Empfehlenswert.

Helga König

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Rezension: Das Buch der Gefühle- Tiffany Watt Smith- dtv

Dieses Kompendium über unsere Gefühle hat Dr. phil. Tiffany Watt Smith verfasst. Sie erläutert zunächst ausführlich, was Emotionen überhaupt sind und ist davon überzeugt, dass die Betrachtung von Gefühlen als primär und überwiegend biologische Fakten ein falsches Bild davon zeichnet, was ein Gefühl tatsächlich ist. 

Der Ursprung unseres modernen Begriffs von Emotionen kann zurückverfolgt werden bis Mitte des 17. Jahrhunderts. So kam Francois de La Rochefoucauld zu der Erkenntnis, dass sogar unsere Triebe von dem Bedürfnis, mit der Konvention Schritt zu halten, bestimmt sein können. Die Überlegung, dass Emotionen ebenso wie durch Körper und Geist durch die Kultur geformt werden, wurde in den 1960er und 1970ern erfreut aufgenommen.

Im vorliegenden Buch geht es um Geschichten über Gefühle und wie sich diese verändern. Dabei geht  es der Autorin nicht um Ratschläge, wie man zu einem glücklicheren, erfolgreicheren Menschen wird, sondern um die Darstellung von rund 150 Emotionen, damit wir begreifen, was uns mitunter umtreibt, wenn wir handeln. 

Diese Emotionen sind alphabethisch geordnet und thematisieren eine ganze Reihe kulturbedingter Gefühle, so etwa "Litosit", eine tschechische Emotion, die eine Spirale aus Scham, Groll und Zorn beschreibt. Diese Emotion verlangt nach Aktivität. Der tschechische Schriftsteller Milan Kundera ist überzeugt, dass "Litosit"  mit der qualvollen Geschichte Böhmens in Zusammenhang steht und sich beispielsweise 1968 im Prager Frühling auf ganz bestimmte Weise ausgewirkt hat. 

Aufgeklärt wird man auch über die portugiesische Emotion "saudade", einer melancholischen Sehnsucht nach Menschen oder Dingen, die weit weg sind. 

Cyberchondrie ist eine neue Emotion, eine Angst vor Symptomen einer Krankheit, die durch die Recherche im Internet gespeist wird. 

Doch man liest auch über alte Emotionen wie etwa Melancholie, Mitfreude, Mitgefühl und Mitleid, die jeder kennen sollte.

Sich über die Inhalte einzelner Emotionen kundig zu machen, ist sinnstiftend, um zu verstehen, warum wir und andere in bestimmter Weise - leider nicht immer sehr vernünftig- , handeln. 

Empfehlenswert 
Helga König

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Rezension: Blender im Job- Vom klugen Umgang mit narzisstischen Chefs, Kollegen und Mitarbeitern. dtv

Die Diplom-Psychologin Dr. Bärbel Wardetzki hat mit "Blender im Job- Vom klugen Umgang mit narzisstischen Chefs, Kollegen und Mitarbeitern" in diesem Frühjahr ein Buch vorgelegt, das sich mit einem Phänomen beschäftigt, das derzeit in aller Munde ist: Narzissmus 

Untergliedert ist das Werk in drei große Abschnitte:
Narzissmus – Ein schillernder Begriff 
Narzissmus in der Arbeitswelt 
Vom klugen Umgang mit narzisstischen Menschen 

Das zentrale Thema beim Narzissmus ist offenbar der persönliche Wert respektive der erlebte Unwert, zudem das Streben, besagten Wert auf alle Fälle zu erhalten oder zu erhöhen. 

Es gibt einen gesunden Narzissmus, den die Autorin abgrenzt von jenem, der alle, die damit konfrontiert werden, nervt. Die Psychologin schreibt  von der Janusköpfigkeit des Narzissmus, bevor sie immer wieder an Beispielen aufzeigt, wie sich Narzissmus darstellt. 

Starke Ich-Bezogenheit kann sich in der Arbeitswelt unterschiedlich präsentieren. So gibt es z. B. den narzisstischen Förderer, der den Geförderten zum Verhängnis werden kann. Von narzisstischen Gesellschaftsstrukturen ist die Rede und davon, dass in der Form, wie sie sich heute zeigen, die Werte des Besser-Seins und Alles-Machbaren vorherrschen.

Der grandiose Narzissmus erzeugt Blender, d.h. Menschen, die anderen etwas vorspielen und die Wahrheit verbergen. Man erfährt mehr über die Abwertung von Frauen im Job durch narzisstische Männer und über weiblichen Narzissmus, der weniger großspurig daherkommt als das männliche Pendant. 

Generell gilt, dass narzisstische Bedürfnisse im wesentlichen Machtbedürfnisse sind. Mittels Großspurigkeit und Überheblichkeit möchte eine narzisstische Person eine andere einschüchtern oder abwerten, um auf diese Weise Überlegenheit zu demonstrieren oder zu bekommen. 

Narzissten meiden gleichwertige Beziehungen. Sie suchen ein Machtgefälle, ein Oben und Unten, so Wadetzki. Die Autorin zeigt wie schamlos Narzissten sich mit Ideen, Gedanken uns Leistungen anderer schmücken und wie narzisstische Ausbeutung in Betrieben funktioniert. Es geht hier keineswegs nur um das Führungspersonal. Das wird ja bereits im Buchtitel  bereits deutlich.

Aufgelistet werden destruktive Verhaltensmuster des pathologischen Narzissmus. Hier werden genannt: Rücksichtslosigkeit, Entwertung, Mangel an Schuldgefühlen, das Klima von Freund und Feind, Verweigerung der Verantwortung für eigenes Verhalten, Reizhunger und Erhebung eigener Ansprüche als Maßstab für alle. 

Dass Narzissmus durchaus karrierehemmend sein kann, bleibt nicht unerwähnt. Dann ist auch von narzisstischen Kränkungen die Rede. Hier liest man wie Kränkungsreaktionen ausfallen können, erfährt zudem von narzisstischer Rache, die zerstören möchte und von den Problemen die Narzissten haben, Zugang zu ihrem wahren Selbst zu finden. 

Es führt zu weit, auf all das, was im Buch besprochen wird einzugehen. Wichtig ist genau zu studieren wie man mit narzisstischen Menschen am sinnvollsten umgeht. Dieser dritte Teil des Buches ist diesbezüglich überaus lehrreich und macht klar, dass es gute Strategien gibt, mit gekränkten und narzisstischen Menschen zurecht zu kommen. 

Letztlich ist es die Dialogbereitschaft, die Begegnungen auf Augenhöhe ermöglicht und die ein Klima entstehen lässt, das sich für alle als vorteilhaft erweist. Einen eingefleischten Narzissten in einen Dialog auf Augenhöhe zu bewegen, ist eine Aufgabe, die  kein Spaziergang ist.


Sehr empfehlenswert 

Helga König

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Rezension -Thema #Ethik: Helfen- Warum wir für andere da sind- Tillmann Bendikowski-

Dr. Tillmann Bendikowski, der Autor des vorliegenden Buches, ist Gründer und Leiter der "Medienagentur Geschichte" in Hamburg. Er verfasst Beiträge für Printmedien und Hörfunk und betreut die wissenschaftliche Realisierung von Forschungsprojekten sowie historischen Ausstellungen.

In seinem vorliegenden Werk beschreibt er unter dem Eindruck des humanitären Sommermärchens 2015 die Kultur des Helfens und fragt zunächst, warum ein Mensch überhaupt helfend wirkt. Dabei erläutert er vorab, was man unter dem Akt des Helfens zu verstehen hat und welche Formen des Helfens es gibt. 

Genannt werden: Hilfreiches, prosoziales und altruistisches Verhalten. Diese Verhaltensmuster werden genau erörtert. Dabei ist eine wichtige Voraussetzung für das Helfen das Mitgefühl. Im Zusammenhang mit dem Mitgefühl erfährt man auch Wissenswertes zu Fähigkeit zum Mitleiden, die als zentrales Element altruistischen Verhaltens gilt. Erörtert werden der Nutzen und der Nachteil dieses Verhaltens und es wird auf Gedanken hierzu seitens namhafter Philosophen hingewiesen. So war es der niederländische Philosoph Baruch de Spinoza (1632-1677), der Mitleid  als "schlecht und unnütz" bezeichnete. Er tat es deshalb, weil er die Vernunft sehr wertschätzte und sie durch Gefühle, Erregung und Leidenschaft gefährdet sah. 

Viele Kritiker des Mitleids meinen, dass Mitleid zur Betroffenheit führe und aufgrund seiner Schnelllebigkeit nicht als Grundlage für eine Moral genüge. Um zu ermitteln, weshalb ein Mensch hilft, erfährt man auch Näheres zur Barmherzigkeit der Christen und über den Menschenfreund, der mit Vernunft Gutes tut. 

Bekunden, dass man es ernst meine mit einem ethischen Leben- dies habe bei den Postulaten des effektiven Altruismus Priorität. Mittels einer gezielten Auswahl von Spendenzwecken verdeutlichten heutige Spender auch den Willen und ihre Bereitschaft zu einer bewussten Gestaltung der Gesellschaft. 

Auch über egoistisches Verhalten wird man aufgeklärt. In der christlichen Theologie gilt die Selbstsucht als Quelle des menschlichen Bösen und die Nächstenliebe als Gegenentwurf zum Egoismus. Man liest im Rahmen der Aufklärung zudem vom sogenannten "empathischen Egoisten", der danach strebt, eigene Interessen durchzusetzen, zugleich jedoch Bezug auf andere nehmen würde. 

Verhaltensmuster wie Fluchthilfe in Zeiten der Unfreiheit, auch Helfen in der Familie über Generationen hinweg und in der sozialen Not kommen zur Sprache. Hier auch wird Florence Nightingale erwähnt, mit ihrer Konzeption zur Krankenpflege und der Rolle der helfenden Frau, aber auch die Solidarität als Fundament der Gewerkschaftsbewegung. Der Staat als Sozialstaat wird fokussiert und natürlich der Paradigmenwechsel in der deutschen Kultur des Helfens. 

Doch auch Kritik im Hinblick auf das Helfen bleibt nicht ausgespart. Die Rede ist u.a. vom "Helfersyndrom", auch von der Macht des Helfenden. So erfährt man, dass bestimmte Hilfsorganisationen um den Wert ihrer Unabhängigkeit in ihrer Arbeit und von den Spendern wissen und dass die Hilfe auch tatsächlich in ihrem Sinn ankommt, weil sie sehr selbstkritisch agieren.

Zusammengefasst kann gesagt werden, dass die Geschichte des Helfens deutlich macht, dass eine funktionelle Kultur des Helfens möglich, jedoch nicht selbstverständlich ist. Der Mensch benötigt Motive des Helfens, Vorbilder und auch etablierte Strukturen der gegenseitigen Hilfe. Zudem sind ermutigende Erfahrungen notwendig. Ist dies alles vorhanden, kann sich eine Kultur des Helfens entwickeln. Das "humanitäre Sommermärchen“ sei ein wichtiges Kapitel in unserer Kultur des Helfens gewesen, so der Autor. Wissen muss man, dass unser Land  über eine stabile Kultur des Helfens verfügt, doch diese muss gepflegt werden. Wie das funktioniert erfährt man in diesem wichtigen Buch übrigens auch. 

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Rezension: Ins Herz getroffen- Selbsthilfe bei seelischen Verletzungen- Rolf Sellin- Kösel

Seelischen Verletzungen können durch spitze Bemerkungen, ausbleibenden Dank oder durch Nichtbeachtung ebenso ausgelöst werden wie durch eine unerwartete Kündigung oder aber durch eine scharfe Auseinandersetzung. Wer seelische Verletzungen verdrängt, bewirkt, dass diese nicht heilen können.

Rolf Sellin erläutert wie es zu solchen Verletzungen kommt, die übrigens objektiv nicht fassbar sind. 

Je näher uns Menschen sind, umso tiefer können sie verletzen. 

Heimliche und anonyme Verletzungen kommen von schwachen Persönlichkeiten. Sie agieren mittels Verleumdung, übler Nachrede und dem Streuen von Gerüchten. Leider bietet das Internet ein weites Wirkungsfeld für jene Menschen, die auf diese Weise einen Stärkeren offen seelisch zu verletzen suchen. 

Der Autor zeigt wie man sich bewusst darauf vorbereitet, dass man von Menschen, die uns in der Vergangenheit verletzt haben, bei einer erneuten Begegnung nicht wieder verletzt wird. 

Über Stress bei seelischen Verletzungen erfährt man Näheres und wird zudem auf die Grundmuster im Umgang mit Schmerz hingewiesen. Wie man an Ort und Stelle reagiert wird auch verdeutlicht. So gehört die rechtzeitige Eingrenzung einer seelischen Verletzung dazu und auch Überlegungen, wo man Rückhalt findet. 

Sellin erörtert Möglichkeiten, wie man sich in solchen Schmerzsituationen helfen kann. So können beispielsweise Dehn- und Streckübungen, auch Gespräche oder ein Tagebuch helfen, den Schmerz zu lindern. Wichtig ist, genau hinzuschauen, wer oder was uns verletzt hat. Auch sollte man sich beispielsweise fragen, in welchem Zustand man sich gerade befunden hat und um welche Art von Verletzung es sich gehandelt hat. 

Der Autor listet eine ganze Reihe von Handlungsmustern auf und verdeutlicht, dass zu jeder Verletzung eine Kollision gehört. Wir dürfen Menschen, die uns seelisch verletzt haben, nicht die Macht einräumen, es abermals zu tun und wir sollten und bewusst machen, wie unverheilte Wunden wirken. 

Wie man sich und seine Kerbe heilt, wird gut erläutert und es wird auch darauf hingewiesen, wie notwendig Resilienz ist. Dass Vergebung befreit, ist zwischenzeitlich fast jedem bekannt, doch leider nicht immer problemlos möglich. 

Nach meiner Erfahrung heilt selbst die Zeit nicht immer alle Wunden und auch Dutzende von Ratgebern helfen nur bedingt. Traumatisierungen können, wenn überhaupt, nur mit professioneller Hilfe aufgelöst werden und Dünnhäutigkeit  wird leider  nicht selten zum Programm.

Trotz allem aber ist es notwendig, sich mit seelischen Schmerz auseinander zu setzen und Bücher wie "Ins Herz getroffen" zu lesen. Eine solche Lektüre schafft Bewusstsein und lehrt uns, rechtzeitig Grenzen zu ziehen.

Empfehlenswert. 

Helga König

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Rezension: WIR –Dietrich Grönemeyer- Vom Mut um Miteinander- Ein Manifest

Prof. Dr. Dietrich Grönemeyer hat mit "WIR- Vom Mut zum Miteinander" ein Manifest für mehr individuelle Lebenskunst auf den Weg gebracht, die den Verstand mit dem Herzen und den wissenschaftlich-technischen Fortschritt mit dem fühlenden Geist verbindet. 

In insgesamt fünf Kapiteln reflektiert der Autor das, was Menschen miteinander verbindet. "WIR Menschen sind alle gleich im Wert. Von Geburt an", lautet die Überschrift des ersten Kapitels. Grönemeyer unterstreicht, dass es die Fähigkeit zum Beistand und der Empathie sei, die unser Menschsein ausmacht. Es ist wohl wahr, dass jeder Mensch, gleichgültig, wo er lebt, als Individuum ernst genommen werden möchte und es ist auch wahr, dass kulturelle Vielfalt zum Menschen dazu gehört. Auch stimmt es, dass Wechselbeziehungen zwischen Einzelnen und der Gemeinschaft im Raum, in dem Entwicklung stattfindet, vorhanden sind. Das sollten wir begreifen und zudem verstehen, dass unser Leben ein Geschenk ist. 

Jeder habe die Chance,  das Leben zu genießen und zwar auch dadurch, indem er für sich und andere Verantwortung übernimmt. 

Das Buch beinhaltet viele gute und wahre Gedanken, auch dass man Körper, Seele und Verstand als Einheit begreifen sollte und dass man auf die Balance achten müsse, weil ihr Verlust krank und aggressiv macht. Es sei die Balance mit sich selbst und der Welt, die Frieden schaffe. Davon bin ich auch überzeugt. Auch teile ich die Ansicht, dass man die Vielfalt leben sollte und wir die Verantwortung für das große Ganze tragen, für Menschen, Tiere und Pflanzen und es stimmt zudem, dass Globalisierung nicht nur internationale Konkurrenz und Wettkampf um Ressourcen, sondern auch die aus Not geborene Erkenntnis ist, dass wir ein gemeinsames Schicksal teilen. 

Im Grunde kann ich nur jeden Satz im Buch bejahen, auch dass Glauben und Überzeugungen die Persönlichkeit festigen und zudem, dass positive und negative Empfindungen zu unserem Menschsein gehören. 

Wir müssen die Verbundenheit begreifen. Der Einzelne überall auf der Welt muss gefördert werden, damit die Gemeinschaft gestärkt werden kann. Ja, es geht um Geschwisterlichkeit. 

Um diese zu leben, benötigen wir Mut zur Gemeinsamkeit. Was man unter diesem Mut versteht, können Sie dem Buch entnehmen. Diesen zu entwickeln und zu leben, sollte unser aller Wollen und Handeln sein. 

Das Manifest sollte zur Pflichlektüre in der Schule und  an der Uni werden.  Eltern sollten den Text mit ihren Kindern diskutieren. Nur so kann ein geschwisterliches Bewusstsein entstehen.

Prof. Dr. Dietrich Grönemeyer ist kein Idealist, sondern ein Analytiker, dem klar ist, dass unsere Chance nur im WIR zu finden sein kann. ICH war gestern. ICH führte zu nichts Gutem, weil es nicht in WIR transformiert wurde. Das dokumentiert die Realität. Transformation ist das Gebot der Stunde. Dazu gehört Mut, die wichtigste aller Tugenden.

Sehr empfehlenswert 

Helga König

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Rezension: Versuch, die Jugend zu verderben- Alain Badiou- edition suhrkamp Sv

Autor dieses Buches ist Prof. Dr. Alain Badiou. Der studierte Philosoph und Mathematiker lehrt Philosophie an der École normale supérieure. Übersetzt wurde das Werk von Tobias Haberkorn. 

Der vorliegenden Text ist "ein Manifest gegen die kapitalistische Geschichtslosigkeit, ein Plädoyer für ein Leben jenseits des ideologischen Konsumzwangs und ein Kompass für all jene, die in unserer immerjungen Gesellschaft die Orientierung verloren haben."

Das Manifest ist in drei Abschnitte gegliedert:

Jungsein heute: Sinn und Nicht-Sinn 
Über das gegenwärtige Werden der Söhne 
Über das gegenwärtige Werden der Töchter 

Wie der Philosoph schreibt, hat Sokrates und Platon bereits den verderblichen Charakter der Macht verurteilt. Die Macht des Konsums verdirbt heute junge Menschen auf die Weise, dass sie nicht reifen können.

Badiou reflektiert das "wahre Leben", weil dieses das eigentliche Thema der Philosophie sei. Ein Leben, das sich auf den gnadenlosen Kampf um Macht und Geld reduziert, sei ein unwahres, vergeudetes Leben. Dies den jungen Menschen zu vermitteln, bedeutet, sie vom Konsumzwang zu befreien. 

Junge Menschen seien ohne es zu wissen, nicht selten mit zwei gegensätzlichen Richtungen konfrontiert. Diese vermischten sich häufig oder wiedersprechen einander. Der Philosoph fasst die beiden Versuchungen wie folgt zusammen: Einerseits sehnt man sich danach, das eigene Leben zu verbrennen und möchte dem nihilistischen Grund der Unmittelbarkeit huldigen, andererseits geht es um Erfolg, Beruf und Geld. 

Der Kapitalismus habe bewirkt, dass die meisten Menschen unreif blieben und Weisheit im Alter kein anstrebenswertes Ziel mehr sei. Der Preis, den die Gesellschaft zahlt, wenn Reifeprozesse verhindert werden, ist hoch, denn es werden sich immer weniger Menschen finden, die Verantwortung übernehmen. Mangel an Verantwortung ist  das Hauptproblem unserer Zeit.

Empfehlenswert 

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Rezension: Weisheit- Judith Glück- Kösel

Die Autorin Prof. Dr. Judith Glück lehrt Entwicklungspsychologie an der Alpen—Universität in Klagenfurt. Ihr Forschungsschwerpunkt ist die Entwicklung im Erwachsenenalter und Psychologie der Weisheit.

In der Einleitung bereits reflektiert die Psychologin den thematisierten Begriff und bekundet, womit sie sich in ihrem Buch befasst: Mit der Entwicklung von Weisheit. 

Im Rahmen eines großen Forschungsprojektes hat sie weise Menschen über besonders schwierige Ereignisse ihres Lebens befragt und ermitteln können, was Weisheit ausmacht, aber sie konnte auch die Wege ausfindig machen, wie man dazu gelangt. 

Ein kurzer Abriss der psychologischen Weisheitsforschung, macht dem Leser klar, womit sich weise Menschen im Laufe ihres Lebens beschäftigt haben und was sie speziell hinterfragen. Hier auch erfährt man, wovon die Autorin zutiefst überzeugt ist: Dass sich nämlich Weisheit aus zwei Komponenten zusammensetzt. So verfügen weise Menschen über ein breites Wissen über das Leben und sind imstande, schwierige Probleme in ihrer gesamten Komplexität zu begreifen. Gleichwohl weisen sie eine bestimmte Haltung hinsichtlich des Lebens auf, die weniger mit dem Denken als mit dem Fühlen zu tun hat. 

Die Definition von Weisheit, mit der die Glücks- Forschungsgruppe an der Universität in Klagenfurt arbeitet, möchte die wichtigsten Teile der unterschiedlichsten Weisheits-Theorien kombinieren, indem sie Wissen und zugleich Persönlichkeitseigenschaften mit einbezieht. Die Gruppe glaubt, dass Weisheit in erster Linie durch die Bewältigung von wichtigen Lebenserfahrungen entsteht. Dazu sind bestimmte psychologische Ressourcen notwendig, die die Auseinandersetzung mit den Erfahrungen unterstützen.  Es handelt  sich um: 

Offenheit
Einen guten Umgang mit den eigenen Gefühlen 
Einfühlungsverfügen 
Reflexivität 
Die richtige Einschätzung der Möglichkeiten und Grenzen 

Die oben angeführten fünf Prinzipien werden näher erörtert und dabei, wie das Beispiel Offenheit zeigt, nochmals untergliedert, so etwa in Offenheit für die eigene innere Welt oder aber für Kunst und Ästhetik, für Gefühle, für Handlungen, für Ideen und für Werte. 

Die Offenheit weiser Menschen beruhe auf einem grundlegenden Akzeptieren auch des eigenen Selbst mit allen Stärken und Schwächen. Man kann Offenheit erlernen, so wie alle anderen Prinzipien.

Wie wehrt man im Gefühlsbereich das Negative ab? Auch das ist ein Thema. Spannend  ist es, die Überlegungen im Hinblick auf Einfühlungsvermögen zu lesen und sich darüber bewusst zu werden, dass Mitgefühl eine der wichtigsten Ressourcen ist, die uns helfen kann, weiser zu werden. Über kritisches Reflektieren zu Weisheit zu gelangen, erfordert natürlich ein gewisses Maß an Intelligenz, weil es darum geht, über komplexe Sachverhalte komplex nachzudenken. "Wie würde die Gegenseite argumentieren und zwar nicht nur auf der Sachebene?", ist eine Frage, die man sich immer wieder stellen sollte, um  auf dem Weisheitsweg voranzuschreiten.

Wirklich wichtig erscheint mir das 5. Prinzip: Die Überwindung der Kontrollillusion. Kontrolle macht nicht glücklich, deshalb sollte man akzeptieren, dass es Unkontrollierbarkeit gibt und man mit ihr entspannt umzugehen lernt. Weise Menschen besitzen keine Kontrollillusion, bzw. weniger als die meisten von uns, so die Autorin. 

Weshalb ist es wünschenswert, weise zu werden und was bewirkt Weisheit? Auch dieser Frage wird nachgegangen und man liest in dem Zusammenhang, dass es zahlreiche Eigenschaften gibt, die mit Weisheit in Verbindung stehen. Für weise Menschen liegt eine Quelle des Glücks im Verstehen und damit in der Erkenntnis. 

Eine wichtige Erkenntnis besteht darin, andere Menschen nicht mehr ständig zu be- und verurteilen. Dies nämlich gibt uns die Chance, dass unser Ego in den Hintergrund tritt und wir zu sehen und zu staunen beginnen. Wer staunen kann, ist wohl auf dem richtigen Weg.

Warum ist Weisheit so begehrenswert? Vielleicht, weil sie den Stress mindert und dort, wo sie spürbar ist, Ruhe einkehrt.

Ein Buch, das sehr zum Nachdenken anregt, ist natürlich empfehlenswert. 

Helga König

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Rezension: Rettet das Spiel! Weil Leben mehr als Funktionieren ist- Gerald Hüther- Christoph Quarch

Die Autoren dieses bemerkenswerten Buches sind der Neurobiologe Gerald Hüther und der Philosoph Christoph Quarch. Ziel der beiden ist es, mittels des Buches die Leser dazu zu motivieren, die Bedeutung des Spiels wiederzuentdecken.

"Was wird aus uns, wenn wir aufhören zu spielen?" lautet die Eingangsfrage, die zunächst im Vorwort reflektiert wird. In diesem Zusammenhang erfährt man u.a., dass es ohne die Möglichkeit des spielerischen Ausprobierens keine Kreativität geben kann. Sobald wir aufhören zu spielen, hören wir auf, das Leben in all seinen Möglichkeiten zu erkunden. Auf diese Weise verspielen wir die Potenziale, die in uns stecken. 

Auf spielerische Art neue kreative Lösungen zu entwickeln, sind nur jene in der Lage, die anstelle Einzelkämpfer zu werden, mit anderen zusammengeblieben sind. Sie wurden nicht zu Spezialisten, sondern blieben Generalisten, die- "statt ausdifferenziert und altersstarr zu werden- jung und undifferenziert geblieben sind." 

Damit das sehr umfangreiche Potenzial an Vernetzungsmöglichkeiten im Gehirn gut stabilisiert werden kann und die angelegten Talente und Begabungen zur Entfaltung kommen können, ist es notwendig zu spielen. Das Spiel dient zur Erkundung der Möglichkeiten. 

Unterrichtet wird man im Hinblick auf die  Philosophie des Spielens und hier auch bezüglich der Spielweisen der antiken Philosophen. Wissen sollte man, dass es den Griechen um Lebendigkeit ging. Genauer, es ging ihnen um die bestmögliche Entfaltung der Seele. Dabei galt als Ideal des Lebens die Balance des Leibes und der Seele. 

Auch über die Spielweisen der Neuzeit wird man in Kenntnis gesetzt und liest wie sich unter dem Einfluss der Reformation ein zutiefst feindlicher Groll gegenüber dem spielerischen Geist, der an Adelshöfen des Rokoko herrschte, in der Französischen Revolution entlud. Kritiker wie Friedrich Schiller waren Gegner der neuen Ernsthaftigkeit, weil sie darin eine Bedrohung des Humanen erkannten. 

Dennoch machte jetzt ein neuer Menschentypus immer mehr von sich Reden und zwar der "Homo oeconomicus". Dieser Typus fragt nur nach seinem Nutzen und möchte als ernsthafter Mensch seine Interessen durchsetzen. Schiller setzte diesem rationalen Egoisten sein Programm der ästhetischen Erziehung des Menschen entgegen. Durch Schillers Spielphilosophie wird der souverän spielende Künstler zum Ideal des freien und schönen Menschen. Wer der Schönheit huldigen möchte, benötigt authentische, freie Spielräume und Spielzeiten jenseits von bloßem Kulturkonsum und Entertainment. 

Das Spielerische war demnach immer ein Thema, doch  wann wurde das Spielfeld zum Marktplatz? Der "Homo oeconomicus"  verdrängte den "Homo ludens", indem er die Spielwelt kolonialisierte, weil er das Spielen verlernt hatte. Die Autoren nennen den  "Homo oeconomicus"   einen Spielverderber, weil er den Spielen seine Logik aufzwingt. Auf den Punkt gebracht bedeutet dies: "Der "Homo oeconomicus" sucht den Gewinn, der "Homo ludens" will gewinnen.“ 

Für den "Homo oeconomicus"  ist das Spiel immer nur Mittel zum Zweck. Spiele werden vom "Homo oeconomicus"  demnach missbraucht. Woran erkennt man nun die Inseln der Lebendigkeit? Wie erkennt man die drei Wesensmerkmale des Spiels? Die Beantwortung dieser Fragen  und die Ursprünge unterschiedlicher Spielarten sind weitere  Schwerpunkte des Buches. Auch erfährt man, wo man heute spielen kann und weshalb wir eine Kultur spielerischer Lebenskunst benötigen. 

Merke: "Inseln der Lebendigkeit, die wir auch noch als Erwachsene im Spiel entdecken, entpuppen sich nicht selten als Inseln der Liebe.“ 

Vielfältig wird die spielerische Lebenskunst im Alltag aufgezeigt und dem Leser auch eröffnet, was aus uns wird, wenn wir den Zauber des Spiels wiederentdecken. 

Alles spricht dafür, ja zum Spiel zu sagen und  auf diese Weise zu dem zu werden, was wir immer waren,  bevor der berechnende Mensch in uns, das,  was uns ursprünglich ausmachte,  rüde verdrängte und damit sich die Chance der Erneuerung nahm. 

Sehr empfehlenswert 

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